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Geschichte und Werden der Berggrabebrüderschaft zu Ehrenfriedersdorf
- Geschichte unserer Heimat -
Bearbeitung und Zusammenstellung
von Albrecht und Heiko Müller im Jahre 1999
Mit freundlicher Genehmigung von Heiko Müller im Mai 2007 - Dankeschön.
Diese Version erschien im Jahre 2000 in den Bergstadt-Nachrichten unserer
Stadt Ehrenfriedersdorf - insgesamt in 9 Teilen.
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Wenn man die Geschichte der Berggrabebrüderschaft erforschen und
aufzeichnen will, so kann dies nur in sehr enger Verbindung mit der Geschichte
unserer alten Bergstadt Ehrenfriedersdorf getan werden.
Bei beiden sind Dokumente aus der Gründungszeit nicht mehr aufzuweisen.
Es wird angenommen, dass die Gründung der ersten Siedlung Mitte des
12. Jahrhunderts erfolgte. Fuhrleute, die Korn und Salz nach Böhmen
bringen wollten, sollen hier in unserer Gegend in ein schweres, fürchterliches
Unwetter geraten und mit den schwer beladenen Fuhrwerken im Sumpf festgefahren
sein. Ein weiteres fortkommen sei unmöglich gewesen. Diese Fügung
des Himmels hätte sie veranlaßt, sich hier niederzulassen.
Auf dem heutigen "Frauenberg" soll die erste Siedlung entstanden
sein. Diese Angaben haben ihre Wahrscheinlichkeit. Das oben erwähnte
Gebiet war sehr sumpfig, da der Wilischbach je nach Wasserzufluß
mal breit oder schmal dahin floß und somit kleine Sumpfgebiete und
Tümpel entstanden. Dass sich die ersten Siedler in dieser Gegend
niedergelassen haben, bezeugt später die Existenz der Kapelle "Unserer
lieben Frauen" auf dem Frauenberg. Die Gründung einer Siedlung
in diesem großen Waldgebiet, Miriquidi oder auch böhmischer
Wald genannt, war leicht möglich. Das Material zum Bau von Wohnungen
war im Überfluß vorhanden. Die Wohnstätten der früheren
Zeit waren nur Holz oder Lehmhütten. Ebenfalls mangelte es nicht
an Lebensmitteln. Der Wildreichtum des Waldes lieferte Fleisch genug,
weiterhin hatten die Siedler ja Korn und Salz auf ihren Wagen, so dass
sie ungestört an den Bau ihrer Wohnstätten gehen konnten. Bei
der Rodung dieser urwaldähnlichen Gegend und der Anlegung der Feldern
und Wiesen sind sie auf erzhaltiges Gestein gestoßen, haben dies
aber aus Unwissenheit nicht beachtet. Erst bei der Anlegung ihrer Feuerstätten
wurden sie auf das Gestein aufmerksam, da es schmolz.
Von dieser Entdeckung sehr begeistert, wurde dieses Gebiet eingehend
untersucht und festgestellt, dass hier sehr große Erzlager vorhanden
waren. Die in diesem Gebiet hausenden Wildsauen hatten mit ihren Hauern
den Waldboden aufgewühlt und das erzhaltige Gebirge bloßgelegt.
Schnee und Regen hatten das übrige beigetragen, so dass die Erzadern
sichtbar wurden. Diese Kunde drang schnell in das Thüringer und Frankenland
das zu dieser Zeit sehr stark besiedelt war. Es ist also nicht verwunderlich,
dass schon bald die nächsten Siedler aus Franken und Thüringen
hier in unsere Gegend kamen. Ihre Wohnstätten errichteten sie am
Abhang des heutigen Sauberges. Es wird angenommen, dass einige der Siedler
aus Franken und Thüringen früher schon in ihrer Heimat den Bergmannsberuf
ausgeübt oder zumindest entsprechende Kenntnisse hatten, so dass
der Bergbau sehr schnell in Gang kam.
Mit Gewissheit können wir aber die Jahre 1240 bis 1241 angeben.
In dieser Zeit wurde mit höchster Wahrscheinlichkeit, gleichzeitig
auch im böhmischen Graupen (Krupka), hier im Ehrenfriedersdorfer
Revier Zinn gefunden. In der Chronik Matthäus (Parisiensis) steht
geschrieben, dass im Jahre 1241 zum erstenmal in Deutschland Zinn
von großer Reinheit gefunden worden sei; und zwar in größeren
Mengen als dies bisher in England der Fall war, welches ja damals im uneingeschränkten
Besitz des Zinnmonopols war. - Das Zinnmonopol der Engländer brach
zusammen und die Vermutung liegt nahe, dass es sich auch um Ehrenfriedersdorfer
Zinn gehandelt hat. Auf alle Fälle, so wird berichtet, wurde schon
um 1268 Zinn durch das Zinnseifen in Ehrenfriedersdorf und Umgebung
gewonnen (siehe 1968 = 700 Jahre Erzbergbau in Ehrenfriedersdorf). Die
ehemals kleinen Bauernhöfe hierorts scheinen das auch mit zu bestätigen,
ließ sich nämlich die Seifenarbeit gut mit der bäuerlichen
Tätigkeit und der Arbeit im Forst verbinden, da überall Wasser
und Holz gebraucht wurde. Am 13. Januar 1293 hören wir, dass
die Herren von Waldenburg dem Nonnenkloster zu Nimptschen bei Grimma den
Bergzehnten auf all ihren Bergwerken schenkten. - Es wird angenommen,
dass es sich hierbei auch um den sogenannten Haldenzehnten handelt. Der
Bau einer Kirche weist ebenfalls auf austräglichen Bergbau um 1288
in Ehrenfriedersdorf hin. - Der Kirchenbau wurden im ersten Heiligen Jahr
der römisch-katholischen Kirche, dem Jahr 1300, mit einem Ablaß
bedacht; er gewann dadurch den Charakter einer Wallfahrtskirche.
Ein Stadtschreiber, der 1661 hier amtierte, hat aus älteren Akten
über die Gründung und Einweihung unserer Kirche folgendes niedergeschrieben:
"Die Zeit der Kirchenfundation (Grundsteinlegung) habe ich niemals
erforschen können, sonsten aber befunden, daß anno 1300
Sonntag nach Mariä Geburt Papst Bonifacius VIII die Einweihung der
Pfarrkirche hier hat vornehmen, sie Gott und seiner lieben Mutter, der
gebenedeieten Jungfrau Maria, auch den Patronen der Kirche, den heiligen
Nicolaus, Erasmus, Katharina und Barbara confirmieren und St. Niklaskirche
hat nennen lassen.
Diese Confirmation haben der Papst Bonifacius Joacobus VIII, weiter der
Cardinal Baptista s. Mariä in porticu, Cartinal Jacobus s. Cristagoni
und Cordinal Johannes s. Luciä un septasalis, endlich die Bischöfe
Dietrich von Meißen, Nicolaus, Johannes und Caspar eigenhändig
unterschrieben und mit angehängten Siegel bekräftigt und allen
Menschen, die mit Andacht, wahrer Reue und Beichte solch Gotteshaus am
Tage der Kirchweih besuchen, auch Hilfe und Steuer thun zu den Gebäuden,
Geleuchten, Zierheit, und die da geben ihre Almosen, also oft und wieviel
sie das thun, Ablaß und Gnade verliehen, und es sollen dieselben
verdienen Ablaß drei Jahr und quadraginta (40 Tage) vom Papst Bonifacius,
300 Tage von obengenannten Cardinälen und 400 Tage von den Bischöfen".
Die Kirche wurde dem Heiligen St. Niklas der neben St. Jacobus dem Älteren
der verbreitetste Schutzpatron von Markt und Stadtkirchen war, geweiht.
Außerdem existierten noch drei Kapellen: Schon erwähnt am
Frauenberg "Unserer lieben Frauen" - Kapelle, im heutigen Seifental
die St. Ottilien - Kapelle die an der Gabelung der früheren Fernwege
in Richtung Zschopau und Wolkenstein stand. Die dritte Kapelle in der
Nähe des jetzigen Friedhofeingangs.
Mit dem Kirchenbau, der späteren Anlegung des Röhrgrabens und
der Bildung von Gewerken wird auch die Gründung der Berggrabebrüderschaft,
damals als Altarbruderschaft oder als Berggrubenzunft, 1338 in
Verbindung gebracht. Auch aus anderen Orten hören wir später
von diesen Bruderschaften, wie zum Beispiel in Annaberg die St. Annenbruderschaft,
die Rosenkranzbruderschaft, Jacobusbruderschaft und die Wolfgangsbruderschaft
- In Geyer die St. Nicolausbruderschaft und die Rosenkranzbruderschaft.
Eine urkundliche Erwähnung unserer Stadt liegt in einem Dokument
von 1339 vor, das aus dem Altenburger Ratsarchiv stammt und den
Herren von Waldenburg ausgestellt worden war, indem ein Pfarrer Albert
von Ernfridisdorf bedacht wird. - Der Bau einer Kirche und die Anlegung
des Röhrgrabens, ein für die damaligen Verhältnisse vermessungstechnisches
Meisterwerk, kann nur in einer engen Gemeinschaft mit den Bergleuten verwirklicht
worden sein. Die Bergleute schlossen sich zu einer Berggrubenzunft zusammen.
Die Wettiner und die Markgrafen von Meißen räumten in dieser
Zeit den Bergleuten besondere Rechte ein.
Es bildeten sich Zünfte der Bergleute und diese erhielten die Abbaurechte.
Das Schürfen und Verhandeln von Zinn wurde den Gewerken übertragen.
Der Röhrgraben wird 1396 bis 1404 durch das Anlegen
des Oberen Teiches - (Geyersche Teich) - ergänzt. Die direkte Anlegung
des Röhrgrabens kann nicht genau festgestellt werden - es ist aber
bekannt, dass lt. des Lotter`schen Wasserstreites von 1567 behauptet
wird, dass der Röhrgraben schon damals mehr als 200 Jahren alt sei!
Bereits im Jahre 1349/50 wird der Greifensteiner Bergbau erwähnt:
Johannes von Waldenburg wird als Lehnsträger des Reiches über
Grifenstein - Zcinewerk und Berckwerk genannt. Es ist das gleiche Geschlecht
der Waldenburger, die wahrscheinlich 150 Jahre früher die Burg Greifenstein
erbauten.
Am 13. Juni 1377 schlossen zu Freiberg Hans der Ältere und
Hans der Jüngere von Waldenburg, Herren zu Wolkenstein, mit dem Landgrafen
Friedrich Wilhelm Balthasar von Thüringen eine Vereinbarung wegen
der Silbergruben zu Ehrenfriedersdorf und auf allen Gütern:
1. Die Landgrafen sollen alle Gerichte und Rechte haben auf allen Silbergängen
und Bergwerken auf allen Gütern der Herren von Waldenburg, 3 1/2
Lehen aufs Hangende, 3 1/2 aufs Liegende und sollen ihnen dahin setzen
Bergmeister und Amtleute, als auf andern ihren Bergwerken, die auf den
Berg, in den Hütten und Höfen rechten sollen, wenn das Not thut.
2. Die Landgrafen haben die Herren von Waldenburg und ihren Erben um des
Schadens willen, den letztere an ihrem Zinnwerk nahmen, und damit, dasß
das Silberwerk desto besser gefördert werde, die Gnade gethan, daß
letztere und ihren Erben auf den Gütern, die sie jetzt haben, so
lange sie die selben haben, den halben Zenten von den Silbergängen
auf allen diesen Gütern haben sollen.
Nehmen die Landgrafen 1 1/2 Hufen zu Zehnten, soll den Herren von Waldenburg
der halbe Teil werden: Nehmen die Landgrafen 1 Hufen zu Zehnten, so soll
den Herren von Waldenburg ebenfalls der halbe Teil werden. Von diesen
halben Zehnten sollen letztere, wenn die Landgrafen in Notfällen
"czu Bercwercke czu Sture gebin" von Zehnten auch mit zu Steuer
geben.
3. Die auf den Berg fallenden Bußen sollen halb den Herren von Waldenburg
gehören. Will aber der Bergmeister der Landgrafen jemanden die Buße
erlassen, dem sollen die Herren von Waldenburg sich nicht widersetzen.
4. Bei den auf den Gütern der Letzteren geschehenen Totschlägen
soll der Bergmeister niemanden ohne der Herren von Waldenburg Wissen und
Willen frei lassen.
5. Alles auf ihren Gütern gefallene Silber soll in die Münze
der Landgrafen geantwortet werden. "Und wenn man des überkäme
mit den Amtleuten, die dazu gesetzt sind, der dawider thäte, der
soll das büßen, als der Münze Recht ist".
6. Auch sollen die Landgrafen keinen freien Markt berufen lassen binnen
einer halben Meile von Ehrenfriedersdorf und einer Meile von Wolkenstein,
es wäre denn, daß der Landgrafen Amtleute erkennen, daß
dessen Not wäre und man dessen nicht entbehren möchte. Zu diesem
Fall mögen die Landgrafen den Markt berufen, doch mit den Herren
von Waldenburg Wissen und Willen.
7. Jedermann, der da auf dem Bergwerken baut, mag sein Brot, Fleisch und
Getränke wohl da haben, dieweil der freie Markt nicht berufen ist.
Das sollen die Herren von Waldenburg nicht wehren noch hindern. Auch sollen
letztere auf den Bergwerken Fleischbänke, Brotbänke, Badstuben,
Zoll, Hüttenzins und das Schrotanrecht haben nach Gewohnheit und
Recht, wie auf anderen Bergwerken der Landgrafen.
8. Die Leute der Herren von Waldenburg, die bereits Gerechte auf den Silbergängen
auf deren Gütern bauen, sollen dabei bleiben, und wenn der Bergmeister
der Landgrafen auf dem Berg kommt, von ihm die Lehen empfangen.
9. Was aber ledig läge, soll der Bergmeister verleihen.
10. Grenzten Zinngänge an die Silbergänge, so sollen erstere
stillliegen und das Silberwerk vorgehen so lange, bis man die Zinngänge
ohne Schaden der Silbergänge bearbeiten kann.
11. Stünde ein Goldwerk auf den Gütern der Herren von Waldenburg,
so soll dasselbe den Landgrafen sein.
12. Würde das Bergwerk wüste und läge ledig, so soll das
Gericht wieder an die Herren von Waldenburg kommen.
13. Diese Gunst und Gnade sollen die Herren von Waldenburg nur so lange
bezüglich der Bergwerke haben, so lange die Herrschaft Wolkenstein
ihnen und ihren rechten Erben gehörte. Verkaufen sie letztere, so
soll die Gnade aus sein.
- Bereits am 07. April 1323 geht aus einer Urkunde hervor, dass
die Herren von Waldenburg auf Wolkenstein sowohl mit dem Bergregal als
auch mit dem Münzregal belehnt waren. Vor allem das Halten einer
eigenen Münze lässt auf einen schon länger betriebenen
Bergbau, auch auf Silber, in der Herrschaft, zu der ja auch Ehrenfriedersdorf
gehörte, schließen.
- Im Jahre 1381, am Donnerstag vor Pfingsten, heiligten und widmeten Herr
Hans von Waldenburg der Ältere und Herr Hans und Herr Anarg als Söhne,
der Kirche zu Ehrenfriedersdorf die Dörfer Berbisdorf und Eibenberg,
so bei der Nachbarstadt Chemnitz gelegen und in die Kirche zu Harthau
eingepfarrt sind, zu einer ewigen Frühmesse.
Die beiden Dörfer hatten der Kirche zu Ehrenfriedersdorf gewisse
Frongelder zu zahlen, und der Ehrenfriedersdorfer Rat war Erb, Lehn und
Gerichtsherr, pflegte auch alle sieben Jahre das Gericht daselbst zu hegen.
In den Jahren um 1380 hören wir von der Ansiedlung Ehrenfriedersdorfer
Bergleute in Breitenbrunn.
"am montag nach sannd Perterstag also ........... haben wir gegeben
einen brieff Hansen kolern, Hans genannt von ernfridstorff, margrethn
seiner elichen virtinne u. seiner erben und derzu getrauen handen Nicl
Czettel, seinem Bruder Nicl Kirsten u. Hans grymen u. haben im geligen
zu rechten erbe den Streitperg zum breitinprun gelegen mit allen rechtin
an Zinnberk, an vrien stollen ......"
Diese Erlaubnis, ein Zinnbergwerk anzulegen, wird als die älteste
schriftliche Benennung des Ortes Breitenbrunn betrachtet. Ehrenfriedersdorfer
Bergleute mit ihren Familien gründeten also den Bergort Breitenbrunn!
Vom 16. Oktober 1407 datiert ein neuer Vergleich zwischen Anarg
V. und Heinrich IV einerseits und den Land und Markgrafen Friedrich Wilhelm
II und Friedrich andererseits wegen der Bergwerke zu Ehrenfriedersdorf
und auf allen ihren Gütern.
Bereits 1377 wurde dem Bergort, das Marktrecht verliehen, ein besonderes
Privileg, das immer mehr Menschen nach Ehrenfriedersdorf zog.
Diese Entwicklung wirkte sich sehr positiv auf die Ansiedlung des Handwerks
aus und es ist nicht verwunderlich, dass Ehrenfriedersdorf zu Beginn des
1500 Jahrhunderts das Stadtrecht erhielt. Die Zünfte hielten,
zu Ehren dieser Sonderrechte, am Tag des Marktes ihre Zusammenkunft -
das Quartal - ab. Die Berggrabebrüderschaft hält noch heute
an diesem altüberlieferten Brauch fest.
Am ersten Sonntag nach Ostern (früher war es der Montag) findet das
Bergquartal (Hauptquartal) statt.
Die Grubenzünfte richteten frühzeitig eine Unterstützungskasse
für Krankheiten und Todesfälle ein, diese wurde auch als Sterbekasse
bezeichnet. Ebenfalls halfen sich die Bergleute gegenseitig bei Bergkatastrophen,
Unwetter und Feuer. Nur diesen frühzeitigen sozialen Gedanken und
der gegenseitigen Hilfe der Bergleute haben wir es zu verdanken, dass
die Berggrabebrüderschaft bis heute als Traditionsvereinigung ununterbrochen
existiert. Armut, Leid, Pest, Hunger, Krieg und Feuer hat diese Gemeinschaft
der Ehrenfriedersdorfer Bergleute überstanden. Eine weitere wichtige
Aufgabe der Bruderschaft war es, die verstorbenen oder verunglückten
Bergleute zu Grabe zu tragen und jedem eine ehrenvolle "Letzte Schicht"
zu ermöglichen. "Der Name Bruderschaft brachte somit eine sehr
tiefe Bedeutung zum Ausdruck - ein Jeder dem Anderen Bruder zu sein, bis
hin zur letzten Stunde eines Jeden.
Sie bildete in freier Form eine Nachahmung der geistlichen Orden durch
die Laien. Ihr ausgesprochener Zweck war die Vornahme religiöser
Übungen, gemeinsame Teilnahme an öffentlichen Prozessionen,
die Sorge für ein anständiges Begräbnis sowie für
die Seelenruhe der verstorbenen Brüder durch möglichst zahlreiche
Fürbitten und Almosen zu sorgen. Besonders wird immer das Begräbnis
genannt und so hatte natürlich diese wichtige Aufgabe auch Einfluß
auf die Namensänderung. 1640 hören wir von der Erbaren
- Grab - Brüderschaft, später von der Begräbnisbrüderschaft
und von den jetzigen Namen Berggrabebrüderschaft. Es wird berichtet,
dass sogar teilweise ein Priester für die Mitglieder eingestellt
war, der für diese die Messen las. Die Bergleute selbst hielten aber
auch Messen ab, denken wir nur an die Andacht vor jeder Einfahrt in die
Grube. Noch heute zeugt das Berggestühl vom 14. Jahrhundert in der
Kirche von diesen Andachten und Messen. Im 18. Jahrhundert wird berichtet,
dass auf dem Berggestühl auch mehrere Bergmänner standen. Ob
diese Bergmänner aus Holz geschnitzt oder aus einer gipsähnlichen
Masse waren, können wir heute leider nicht mehr nachvollziehen.
Um 1923 kamen diese Bergleute ins Heimatmuseum unserer Stadt und
waren später, wie vieles in Ehrenfriedersdorf spurlos verschwunden.
Eine Originalnachbildung ist aber heute noch in unserer Kirch zu sehen,
sie steht in der linken Hälfte unserer Kirche vor dem Altarraum und
wurde 1928 vom damaligen Schulhausmeister Otto Vogel gefertigt.
1429 wurde die Kapelle "Unserer lieben Frauen" auf dem
Frauenberg zerstört, so berichtet eine alte Aufzeichnung. Der Husittenkrieg
hauste in unserer Heimat!
1507 wurde der kostbare Hochaltar für unsere St. Niklaskirche
angeschafft. Dargestellt sind Maria zwischen den Heiligen Nicolaus und
der Heiligen Katharina, außerdem Barbara, die Schutzheilige der
Bergleute und Erasmus sowie vier gemalte Szenen aus der "Passion
Christi". Auf der Rückseite befinden sich Gemälde des Heiligen
Wolfgang, Martin, Andreas und Bartholomäus. Der Altar wurde geschnitzt
vom Bildhauer Hans Witten der ebenfalls die bekannte Tulpenkanzel im Dom
zu Freiberg fertigte. Die Gemälde schuf der Künstler Hans von
Cölln. Dieser kostbare Hochaltar und seine Anschaffung hängt
ganz gewiß mit dem Bergbau und den Bergleuten von Ehrenfriedersdorf
zusammen!
Ehrenfriedersdorfer Berggebet 1578
In die Grube fahren wir,
lass uns Gott erst vor dich treten
und Allmächtiger zur Dir
stets als rechter Bergmann beten:
Laß uns Dir befohlen sein,
fahre mit uns Knappen ein,
fahre mit uns ein vor Ort,
sei Beschützer uns und Hort.
Hilf uns Ernst und Ruh bewahren
bei der Arbeit in Gefahren
steh uns bei in Nach und Not,
gib uns unser täglich Brot.
Ruf die Schichtglocke uns zu Haus
fahre dann mit uns aus.
Glück auf!
Amen
Es muß jedoch an dieser Stelle angeführt werden, dass gerade
zu dieser Zeit der Anschaffung dieses Altares das Ehrenfriedersdorfer
Bergrevier einen bis dahin noch nicht gekannten Niedergang erlitt. Die
Zinnproduktion betrug 1445 etwa 2.500 Zentner und sank um 1500
auf ein Viertel dessen, etwa 640 Zentner, herab. Es wird angenommen, dass
die Ehrenfriedersdorfer Bergbauunternehmen ihr Geld in neue Bergbaugebiete
wie z. B. Schneeberg und Annaberg mit angelegt haben und deshalb trotz
des Niederganges des Bergbaues dieser kostbare Altar erworben werden konnte.
Vor der Gründung der Bergstädte Annaberg und Schneeberg galt
Ehrenfriedersdorf als die bedeutendste Bergstadt zwischen Freiberg und
Böhmen!
Auf, auf zur Grube ruf ich Euch
Ich, die ich oben steh'
so oft Ihr in die Tiefe fahrt,
so denket an Gott in der Höh'.
1519 wurde die Bergglocke, welche auch Häuer - oder Elfenglocke
genannt wurde angeschafft. Sie wurde in der Glockengießereiwerkstatt
Wolf Hilliger in Freiberg gegossen und hat ein Gewicht von 200 kg und
einen Durchmesser von 70 cm. Der Glockenklang wurde auf den Ton "Es"
abgestimmt. Als Inschrift trägt sie in lateinisch den Schriftzug:
"Verbum Domini manet in Eternam Anno MDXIX." Das bedeutet: "Das
Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit Anno 1519". Bereits am 05. Januar
1509 erließ Herzog Georg von Sachsen die Bergordnung für
St. Annaberg, in der im 83. Artikel auf die Notwendigkeit der Bergglocken
in den aufkommenden Bergwerksgruben des Erzgebirges hingewiesen wird.
Als bergmännische Einrichtungen läuteten die Bergglocken hauptsächlich,
um ein regelmäßiges und pünktliches Ein- und Ausfahren
in den Bergschichten zu gewährleisten. So wurde bereits früh
um 3 und um 4 Uhr, Mittags um 11 und 12 Uhr und abends um 7 und 8 Uhr
geläutet.
"Und tzu itzlicher Schicht soll man ein Stund tzuvur anleutten,
damit sich die arbeitter tzu richten, und desteo weniger ihres verseumlichkeit
tzu entschuldigen haben" Auch Georgius Agricola (1494 - 1555) beschreibt
die Anwendung des Schichtläutens. "Wenn sie zur Schicht gehen
müssen, das kündet den Bergleuten das läuten einer großen
Glocke an, welche die Fremden, campana' nennen: Wenn sie erschallt, so
eilen sie aus allen Gassen von hier und da zu den Gruben."
In gleicher Weise zeigt das Erklingen der Glocke dem Schichtmeister an,
dass die Schicht beendet ist. Wenn er das Läuten gehört hat,
schlägt er an das Holzwerk des Schachtes und gibt so den Bergleuten
das Zeichen zum Ausfahren. Die nächsten, die das Signal hören,
schlagen mit ihren Fäusteln an das Gestein, und so gelangt das Zeichen
bis zu den Entferntesten.
Zum Schichtläuten kam noch das Läuten zu bestimmten Feierlichkeiten
der Bergleute. So zum Beispiel bei den Berggottesdiensten und zu den Berquartalen
der Bergknappschaft. Betreffs Bergquartal lesen wir in den später
aufgeführten Statuten der löblichen Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf
Anno 1614:
"Bei welchen man die Laden haben wird, da soll auch die Brüderschaft
zusammenkommen, alsbald so man die Häuerglocke zu Elfen ausgeläutet
und ein Jeder einen Groschen in die Lade legen."
Weiterhin wurde auch zur "Letzten Schicht" der Ehrenfriedersdorfer
Bergleute mit der Berglocke geläutet. Feierlich wurden die Verstorbenen
von der Bergknappschaft zu Grabe getragen. Diese Verpflichtung ist ebenfalls
in den Statuten der Bergknappschaft von 1614 mit enthalten. Jedem
sollte eine ehrenvollen "Letzte Schicht" ermöglicht werden,
sei er auch noch so arm.
Hier kam ganz besonders der brüderliche Gedanke der löblichen
Bergknappschaft zum Ausdruck.
Sonst ist aus der Zeit um 1520 nichts Gutes zu berichten:
1521 hören wir von der schweren Pestzeit und 1524/25
vom Aufstand der Bauern und der Bergleute - 1528 vom großen
Stadtbrand, bei dem von 150 vorhandenen Häusern 75 abbrannten. Viel
Leid überstand auch in dieser Zeit die Berggrabebrüderschaft,
galt es gerade in Not und Armut zusammenzustehen und gemeinsam auf eine
wieder bessere Zeit zu hoffen.
Eine wichtige Quelle des Zinnbergbaus lag um 1530, als der Bergbau
noch am Boden war, im Ausklauben der alten Halden, wo auch Frauen mithelfen
mußten. Noch heute ist der Ausdruck Klaubefrau bekannt.
Um 1540 wurde das Ehrenfriedersdorfer Kunstgezeug erfunden, jetzt
konnten große Höhen des zu hebenden Grundwassers erzielt werden.
Das Funktionsprinzip war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dominierend.
Alle Anstrengungen führten jedoch nicht dazu, die Ergebnisse der
Blütezeit Mitte des 15. Jahrhunderts wieder zu erreichen. Im Jahr
1536 beginnt man mit dem Bau des Tiefen Sauberger Stollen; er wurde auf
einem Silbererzgang vorgetrieben.
Kein zweites Ereignis der nunmehr über 750-jährigen Geschichte
des Ehrenfriedersdorfer Zinnbergbaues hat in der Bevölkerung solchen
Widerhall gefunden und ist sooft erzählt und dichterisch behandelt
worden, wie die "Lange Schicht" die Nachricht von der Verschüttung
eines Bergmannes im Sauberge und seiner Wiederauffindung nach 60 Jahren.
Vielzählige Erzählungen und Berichte finden wir auch in unserer
Zeit in verschiedensten Bücher und Geschichtsblättern wieder,
die wenigsten allerdings machen auf die vorhandenen Widersprüche
und Unklarheiten des bedeutsamen Ereignisses aufmerksam. Verschiedene
Heimatforscher versuchten eine Klärung der Widersprüche zu erlangen.
Leider ist es ihnen, wie auch uns nicht gelungen die nachstehenden Unstimmigkeiten
eindeutig zu klären. Sehr wichtig ist ebenfalls Wahrheit und Dichtung
ganz klar von einander zu unterscheiden. Als geschichtliche Quellen des
Ereignisses um Oswald Barthel sind zu nennen: im Original - der Eintrag
im Toten- bzw. Begräbnisbuch von 1568 und die Leichenpredigt,
die der damalige Pfarrer Magister Raudte bei diesem Begräbnis hielt
und die 20 Jahre später, 1588, gedruckt wurde. Eine dritte
Nachricht ist uns in Abschrift überliefert: In dem "Historischen
Schauplatz", der wertvollen erzgebirgischen Chronik des verdienten
Scheibenberger Pfarrers Christian Lehmann befindet sich ein Bericht, der
einem leider verschollenen Ehrenfriedersdorfer Bergbuch entnommen sein
soll.
Der Eintrag im Totenbuch von 1568 hat folgenden Wortlaut: Matthes
Bartel, welcher vor 60 Jahrn in stoln vorfallen wird gefunden den 20.
Septemb: des 68 Jhars sepelieb: 26. m. Septemb: (Matthes Bartel, welcher
vor 60 Jahren im Stollen verfallen ist, wird gefunden den 20. September
des Jahres 1568 und begraben am 26. des Monats September.)
Die Leichenpredigt des damaligen Ehrenfriedersdorfer Ortspfarrers Magister
Georg Raudte wurde, wie bereits erwähnt, 1588 gedruckt. Das
Titelblatt lautet:
Eine Leichenpredigt/
Bey dem Begrebnis
Oswald Bartels eines Bergmanns
welcher im Jahre 1507, zu Ehrenfriedersdorff im Berg/ vorfallen
und unvorsehens im 68 Jahr/ den 20. Septemb: noch gantz funden/ und von
der Erbarn Knapschaft daselbst/ Christlichen weis zur Erden bestetigt
wurden/
Gethan
Durch M. Georgium Raudte, dazu mal des orts Pfarrer
1588
Jetzund auf begern guthertziger Christen zu lehr und trost vor
Christliche Bergleut/ auch zum Gedechtnis/ in druck gegeben.
Gedruckt in der Churfürstlichen Bergstadt Freyberg
bey Georg Hoffmann.
Als dritte Quelle der Nachricht über die "Lange Schicht"
dient der "Historische Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten
in den Meißnischen Ober = Erzgebirgen", verfaßt von Magister
Christian Lehmann der von 1638 bis 1688 Pfarrer in Scheibenberg
war. In dem vorgenannten Werke finden wir auf den Seiten 936 und 937,
im 21. Kapitel der 16. Abteilung, das die Überschrift trägt:
"Von seltsamen Begebenheiten mit Leichen" einen ausführlichen
Bericht über die Wiederauffindung der Leiche Oswald Barthels.
"Die Alten haben große Kosten gemacht/ durch Balsamierung Mumien
zubereiten/ und der Verwesung zu widerstehen. Gottes Wunderhand hat unvergleichlich
mehr in folgender Begebenheit gethan/ davon ein altes Bergbuch zu Ehrenfriedersdorf,
Anno 1543 angefangen also meldet:
"Kund und wissend sei, daß hernach verzeichnete Alten mit Nahmen
Thomas Kandler, Andreas Reiter der Ältere zur Ehrenfriedersdorff
und Simon Löser zu Dretbach, vor mir Valentin Feigen, Bergmeistern
und Thomas Langern, geschwornen im Berg - Amt ausgesagt, daß ihnen
wohl wissend und in guter Gedächtnis sei, daß einer mit Nahmen
Oßwald Barthel ein Bergmann, welcher allhier zu Ehrenfriedersdorff,
unten in Flecken in einen kleinen Häußlein gewohnet, da dieser
Zeit Hanß Rößler innen ist, im Jahr 1508 am Tag Catharinä
im Sau - Berge verfallen, als daß ihn kein Mensch zur Rettung kommen
können.
Derselbe Oßwald Barthel ist heute Montag den 20. Septembris im
1568 Jahr in Brünlers Fundgrube im Sauberge, da man die selbe
- abgewältiget, ungefähr in der siebenten Lachter unter dem
tieffen Saubergstollen wieder gefunden worden. Ist also 60 Jahr / 9 Wochen
/ 3 Tage im Sauberge, unter Berg und Wasser gelegen. Darauff ist er den
26. September Christlicher Weise auf den Gewerken des Sauberger Stollns
Unkosten zu Erden bestätiget worden mit einer schönen Leichen
- Predigt, die der Achtbare, Ehrwürdige und Wohlgelährte Herr
M. Georg Raudte, der Zeit unserer Pfarrer allhier gethan, und ihm Anfang
der Predigt den Umständen auch diß zu Gemüthe geführet,
daß groß zu verwundern, daß er einem eine Leichen -
Predigt tuhn solte, welcher 35 Jahre ehe, als er, der Pfarrer gebohren,
gestorben wäre. Es ist aber gemeldeter Oßwald Barthel sel.
erstlich, da in Gewältigen geräumet worden, ganß gefunden,
also, daß nichts an ihm gemangelt, sondern Leib, Kopf, Arme und
Beine beysammen gewesen, hat eine Berg-Haube wie die Alten gepflogen,
auf dem Haupt gehabt, und schwarz Haar halber ellen lang, einen weißen
Zippel-Bels, ein baar Gruben-hosen, Schuh an Füssen, eine Unschlit-Tasche,
einen Gruben-Zscherper mit Bley begossen umgegürtet. Es sind auch
Schuh, Hosen und Bels ganß gewesen. Und ob man wohl dem Ansehen
nach vermeinet, ihn ganß aus dem Sauberge zu bringen, da er aber
angegriffen werden ist er mitten entzwey gebrochen und also in zwey Stücken
herausgebracht worden. Des zum Zeugniß, daß es also eigentlich
und gewiß geschehen, ist es zur Beglaubigung alsobald ins Berg-Buch
einverleibet, und männiglich, der es begehret zur Nachricht eingeschrieben,
den 28. September im 68 Jahr."
Folgende Unstimmigkeiten und Widersprüche verbergen sich in den
vorstehenden Angaben:
1. Der ursprüngliche Eintrag ins Totenbuch nennt als Vornamen des
aufgefunden Bergmanns "Matthes" und erst später hat eine
andere Hand den richtigen Namen "Oßwald" eingefügt.
Dem Bergbuch nach aber haben die noch lebenden Zeugen sofort, also schon
am 20. September, den richtigen Namen angegeben.
2. Sowohl das Bergbuch wie das Totenbuch geben an, daß der Aufgefundene
60 Jahre im Sauberge gelegen habe, also 1508 verschüttet sein
muß, während Pfarrer Raudte von 61 Jahren spricht und daher
das Jahr 1507 als das des Unfalls angibt.
3. Am Anfang des Berichtes des Bergbuches heißt es, daß "derselbe"
Oswald Barthel "heute" Montag den 20 Septembris wiedergefunden
worden sei, während es am Ende heißt im Widerspruch mit dem
"Heute" daß der Bericht erst am 28. September ins Bergbuch
eingeschrieben worden ist.
4. Pfarrer Raudte sagt, daß man "den Körper hat ganz wiedergefunden"
und später noch einmal, daß Gott des Bergmanns Körper
"ganz behalten und wieder heraus hat bringen lassen", während
es im Bericht des Bergbuches heißt, daß er beim Anfassen
in zwei Stücke zerbrochen und so herausgebracht worden sei.
5. Oßwald Barthel ist am 25. November 1508 oder 1507
verschüttet worden und am 20. September 1568 wieder aufgefunden.
Das Bergbuch gibt an 60 Jahre,
9 Wochen und 3 Tage. Rechnet man aber vom 20. September 1568 diese
60 Jahre, 9 Wochen und 3 Tage zurück, so kommt man nicht auf den
25. November 1507 oder 1508, sondern auf den 16. Juli 1508.
6. Pfarrer Raudte sagt in seiner Predigt, er sei an einem Montag verfallen.
Der 25. November 1507 war aber ein Donnerstag und der 25. November
1508 ein Sonnabend.
Was ist nun an der ganzen Geschichte noch Wahrheit und Wirklichkeit?
Unumstößliche Tatsache ist, daß am 20. September 1568,
an einem Montag, die Leiche eines Bergmannes in einem verschütteten
Stollen des Sauberges gefunden worden ist. Tatsache ist ferner, daß
diese Leiche noch sehr gut erhalten war. Körper und Kleidung waren
unverwest. Die Ausrüstung wurde vollständig vorgefunden. Weiterhin
ist Tatsache, daß dieser Tote Jahrzehnte unter der Erde gelegen
hat, und daß etliche alte Bergleute schon vorher öfters von
diesem Unfall erzählt haben. Am 28. September 1568 ist die
Leiche unter großer Anteilnahme der ganzen Gemeinde begraben worden,
wobei Magister Raudte die Begräbnispredigt gehalten hat.
Wie schon erwähnt haben sich viele Heimatforscher und Chronisten
mit der "Langen Schicht zu Ehrenfriedersdorf" befaßt und
waren um eine Klärung der vorstehenden Unstimmigkeiten bemüht.
Auch wir haben intensive Forschung zum Thema "Lange Schicht"
betrieben. Immer wieder kommen wir auf viele Widersprüche, die bereits
in den 30er Jahren durch Curt Langer aus Annaberg und etwas früher
auch durch Pfarrer Schmidt aus Ehrenfriedersdorf aufgezeichnet worden
sind. Da unsere Erforschungen sich fast ausnahmslos mit den Aufzeichnungen
der 30er Jahren decken möchten wir diese zur Klärung als Grundlage
nehmen.
Unbedingt zuverlässig erscheinen uns der Eintrag ins Totenbuch und
die Leichenpredigt, da sie uns im Original vorliegen, während die
uns überlieferte Fassung des Berichtes im Bergbuch nur eine mehr
als 100 Jahre spätere Abschrift ist.
Trotzdem muß angenommen werden, daß diese Abschrift auf einen
zeitgenössischen Originalbericht zurückgeht. Wie bei jedem Bergamt
ist natürlich auch beim Bergamt Ehrenfriedersdorf ein Bergbuch geführt
worden, in das man alle irgendwie bemerkenswerten Umstände eingetragen
hat, die den Bergbau betrafen. Vergleicht man nun die Abschrift Lehmanns
mit den Angaben der Leichenpredigt, so erkennt man, daß Einzelheiten
bis auf wenige Ausnahmen völlig übereinstimmen. Der Bericht
des Bergbuches und die Leichenpredigt könnten im gegenseitigen Einvernehmen
des Bergamtes und des Pfarrers entstanden sein.
Weiterhin ist Tatsache, daß die im Bericht des Bergbuches genannte
Zeugen und Personen wirklich gelebt haben.
So wissen wir z. B. das der aufgeführte Thomas Kandler 1483
geboren und am 10. Mai 1581 im Alter von 98 Jahren verstorben ist.
Er stand also zur Zeit der Verschüttung Oßwald Barthels im
25. Lebensjahr und ist somit ein einwandfreier Zeuge jenes Ereignisses
gewesen.
Wie schon erwähnt hat man eine Änderung des Vornamens "Matthes"
in "Oßwald" im Begräbnisbuch vorgenommen. Es kann
aber nicht daraus geschlossen werden, daß zur Zeit des Begräbnisses
des Bergmannes dessen Vorname noch nicht genau bekannt war und daß
daher der Bericht des Bergbuches, der den Namen sofort bestimmt angibt,
aus späterer Zeit stammt. Seltsam ist trotzdem der Umstand, daß
Pfarrer Raudte in seiner Predigt die dem Gebrauch der Zeit entsprechend,
ziemlich lang war nicht ein einziges Mal den Namen des toten Bergmannes
erwähnt. Daß Pfarrer Raudte den Namen des Bergmanns nicht erwähnt,
ist ebenfalls kein Beweis dafür, daß er ihn nicht kannte. Ihm
kam es bei seiner Predigt nur darauf an, ein Beispiel der göttlichen
Allmacht in dem Ereignis zu sehen, der Name war ihm nebensächlich
besonders, der anscheinend bei der Wiederauffindung Barthels keine näheren
Angehörigen von ihm mehr am Leben waren. Wir können aber auch
aus Raudtes Worten selbst ersehen, wie unwahrscheinlich es ist, daß
er den Namen nicht gekannt hat. Denn er sagt, daß etliche Alte noch
der Verschüttung gedenken und davon berichten.
Die Erinnerung an den Unfall ist also in der Bevölkerung noch durchaus
sehr lebendig gewesen. Vielleicht liegt hier nur ein Versehen des Kirchenbuchführers
vor. Auch der Umstand, daß in der gedruckten Predigt als Jahr des
Unfalls 1507, im Bergbuch aber 1508 angegeben wird, spricht
nicht gegen die Richtigkeit des Eintrages im Bergbuch, sondern vielmehr
gegen die Richtigkeit der Angaben in der Predigt.
Dazu kommt, daß der Pfarrer Raudte die Leichenpredigt erst zwanzig
Jahre also 1588 in Druck gegeben hat. Auch war Pfarrer Raudte zur
Zeit der Drucklegung der Predigt nicht mehr in Ehrenfriedersdorf, hatte
also auch die dort vorhandenen Quellen nicht unmittelbar zur Verfügung.
Trotzdem könnte auch das Unglücksjahr 1507 das richtige sein,
auch wenn Diakonus Stöfer 1568 ebenfalls von 60 Jahren im
Totenregister schreibt.
Zwischen der Wiederauffindung und dem Druck der Predigt liegen wie schon
erwähnt zwanzig Jahre. Man könnte doch annehmen, daß diese
Zeit ausgereicht hat um alles aufzuklären, oder hat sich bis 1588
das Unglücksjahr 1507 bestätigt?
Zum Widerspruch der in dem Wörtchen "heute" am 20. September
und der Datierung des Eintrages im Bergbuch vom 28. September liegt kann
folgendes gesagt werden. Der Eintrag im Bergbuch besteht wahrscheinlich
aus drei Teilen. Der erste Teil befaßt sich mit dem 20. September,
der zweite Teil mit dem Begräbnis und im dritten Teil werden nähere
Angaben über den Zustand des Leichnams, die man offenbar nach näherer
Prüfung eingetragen hat, gemacht.
Diese Angaben könnten einzeln aufgeschrieben und am 28. September
in das Bergbuch, wie geschrieben wurde "einverleibt" worden
sein.
Zum Zustand des Körpers beim Herausbringen aus der Grube ist folgendes
zu sagen. Das Bergbuch gibt an, daß er in zwei Stücke zerbrochen
sei - die Leichenpredigt sagt nicht davon. Vielmehr heißt es darin:
- "dessen Körper er ganz behalten und wieder heraus hat bringen
lassen". Pfarrer Raudte kam es besonders darauf an, im Ereignis ein
Zeichen göttlicher Allmacht zu sehen und dies zu preisen. Das der
Leib dann beim Herausbringen in zwei Stücke zerbrochen ist mußte
ihm daher als etwas Unwesentliches erscheinen, das nicht erwähnt
zu werden brauchte. Es kann auch sein, daß Pfarrer Raudte von dem
Zerbrechen in zwei Teile gar nichts gewußt hat. Es ist durchaus
denkbar, daß man, um das Wunder noch größer erscheinen
zu lassen, zunächst einmal das Zerbrechen des Leichnams verheimlicht
hat. Für diese Ansicht spricht der Umstand, daß man im Bergbuch
dieses Zerbrechen nicht gleich bei dem Bericht von der Auffindung der
Leiche, sondern erst später, nach den Nachrichten über das Begräbnis,
vermerkt hat.
Am schwersten scheint uns der Umstand zu wiegen, daß die Zeitangabe
60 Jahre, 9 Wochen, 3 Tage nicht mit dem wirklichen Tag des Unfalls, dem
25. November, in Übereinstimmung zu bringen ist. Für die Berechnung
von Lebensaltern und sonstigen Zeitunterschieden sind in den alten Kirchenbüchern
usw. zwei verschiedene Arten üblich gewesen. Die erste Variante man
rechnet vom Geburtsdatum die vollen Jahr plus Monate bzw. Wochen und Tage.
Die zweite Variante man rechnet vom Geburtsdatum bis zum Sterbejahr die
vollen Jahre und rechnet die fehlende Monate bzw. Wochen und Tage ab.
Vom 25.11.1508 bis 25.11.1568 sind 60 Jahre. Dabei haben
wir zuviel gerechnet. Im November 25 Tage, im Oktober 31 Tage und im September
10 Tage (20. September Auffindung - 21. - 30. September) zusammen ergeben
das 66 Tage. 66 Tage aber sind genau 9 Wochen und 3 Tage. Nach dieser
in damaliger Zeit üblichen Berechnungsweise beträgt der Zeitunterschied
zwischen dem 25. November 1508 und dem 20 September 1568
genau 60 Jahre weniger 9 Wochen und 3 Tage.
Wir sehen also, die Zeitangabe des Bergbuches stimmt ganz genau, wenn
wir zwischen die Worte "60 Jahre" und "9 Wochen" das
Wörtchen "weniger" einschieben. Das kann unmöglich
ein zufälliges Übereinstimmen sein. Wir müssen daher den
zwingenden Beweis sehen, daß beim abschreiben des Berichts des Bergbuches
dieses "weniger" vergessen worden ist.
Leider ist die Angabe Raudtes, daß Oswald Barthel an einem Montag
verfallen sein soll, zur genauen Feststellung nicht brauchbar, da der
25. November 1507 wie schon erwähnt ein Donnerstag und 1508
ein Sonnabend war. Wenn wir uns mit dem Zeitunterschied von der Verschüttung
und der Wiederauffindung Oswald Barthels beschäftigen, möchten
wir aber auch auf die großartigen und außerordentlichen Veränderungen
der Weltgeschichte und unserer Heimatgeschichte hinweisen.
Der Augustinermönch Luther schlug die 95 Thesen an die Schloßkirche
zu Wittenberg und begann damit das gewaltige Werk der Reformation. Wie
ein Held kämpfte Luther zu Worms vor Kaiser und Reich für Gewissens-
und Glaubensfreiheit. Das großartige Werk der Bibelübersetzung
wurde auf der Wartburg begonnen und in Wittenberg vollendet. Die Anhänger
Luthers übergaben auf dem Reichstag zu Augsburg dem Kaiser ihr Glaubensbekenntnis,
die "Augsburger Konfession". Die Welt war einfach eine andere
geworden in der Zeit, die zwischen dem Tode und dem Begräbnis Oswald
Barthels lag. Und auch unser Ehrenfriedersdorf hatte in dieser Zeit ein
anderes Aussehen bekommen. Als Oswald Barthel verunglückte, standen
die Häuser unserer Stadt am Abhang des Saubergs. Der Marktplatz war
neben der Kirche. Als Oswald Barthel begraben wurde, lag die Stadt mehr
im Tale. Dorthin hatte man sie nach dem großen Brand von 1528
gebaut. Als Oswald Barthel starb, hatte die alte St. Niklas Kirche sechs
Altäre, aber keiner von diesen Altären hatte eine besonderen
Wert. Als er begraben wurde, hatte die Kirche nur noch einen Altar, den
dreiteiligen Flügelaltar, der heute noch einer der schönsten
und wertvollsten Altäre Deutschlands ist. Als Oswald Barthel starb,
läutete eine kleine Glocke, die heutige Taufglocke. Als er begraben
wurde, läutete vom Elfenturm die Bergglocke von 1519 und vom
Hauptturm die große Glocke aus dem Jahr 1543. Als er starb,
war ganz Deutschland und mit ihm auch Ehrenfriedersdorf noch katholisch.
Als er begraben wurde, war der größte Teil Deutschlands mit
ihm auch Ehrenfriedersdorf evangelisch. Im katholischen Glauben ist Oswald
Barthel zur letzten Schicht eingefahren und nach evangelisch lutherischen
Brauch begraben worden. Dichtung ist selbstverständlich die Erzählung
von Anna Baumwald, der Tochter des Obersteigers, die angeblich mit Oswald
Barthel verlobt war, die nach der Verschüttung ihres Verlobten vor
Schreck schwer erkrankte, die nach ihrer Genesung am Altar niederkniete
und der Jungfrau Maria gelobte, ihrem Oswald treu zu bleiben und keinen
anderen zu heiraten, die am Tag der Wiederauffindung des Verunglückten
den Toten sofort erkannte und dann am Sonntag darauf mit dem Myrtenkranz
auf dem weißgebleichten Haar in der Kirche das Heilige Abendmahl
feierte. Diese Erzählung ist erst viel später entstanden, wahrscheinlich
erst nach der Veröffentlichung über die wahre Begebenheit im
Kupferbergbauort Falun in Schweden. Dort ereignete sich ebenfalls eine
Wiederauffindung eines Bergmanns (Stor Mats Israelsson) der 42 Jahre verschüttete
war. Der Leichnam war ganz mit Eisenvitriol durchdrungen. Zum Zeitpunkt
der Wiederauffindung soll in Falun wirklich noch die verlobte Braut des
verunglückten Bergmannes gelebt haben, und dort auch einwandfreie
Aussagen über den Verunglückten gemacht haben. Diese Erzählung
beruht auf Tatsachen. Im Oktober 1677 fiel wirklich der Bergmann
Stor Mats Israelsson anläßlich des Durchschlags zwischen zwei
Stollen in einer Teufe von 300 Ellen, also rund 150 Meter einem Deckeneinbruch
zum Opfer.
Erst im Jahre 1719 wurde der Leichnam unverwest in voller Grubenkleidung
geborgen. Unklar ist, warum es z. B. ein Gedicht gibt, das von "mehr
denn sechzig Jahren" spricht. Für 500 Taler erwarb die Universität
Stockholm den Leichnam zu Studienzwecken. Erst als er nach Aufbewahrung
in einem Glaskasten von Jahr zu Jahr härter und brüchiger wurde,
erfolgte 1749 die Bestattung. Die ersten Veröffentlichungen
in deutscher Sprache hierüber erfolgten bereits 1722 ab 1808
wurden sie erst populär. Dieser Tatsachenbericht drang natürlich
auch nach Ehrenfriedersdorf und so können wir uns jetzt auch vorstellen
wie die Erzählung und Dichtung um die Braut Anna entstanden sein
könnte.
Dies zum Thema "Lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf".
Im Jahre 1614 wurden der damals als Ehrbaren - Grab - Brüderschaft
genannten Bruderschaft 12 Artikel verliehen, wonach diese ihr gesamtes
Verhalten, Tun und Handeln einrichten mußte. Die genannten Artikel,
die im Original in der Lade und eine zweite Originalabschrift im Archiv
unserer Stadt sind, stammen vom Bergmeister Wagner.
Die Zwölf Artikel der Berggrabebrüderschaft von 1614 in
sinngemäßer Wiedergabe
Vor dem derzeitigen Bergmeister Andreas Wagner, seinem Geschworenen Christoff
Scheubner und den Ältesten der Bergknappschaft des alten, kurfürstlichen
sächsischen, freien Bergstädtleins Ehrenfriedersdorf ist heute,
wie unten datiert, die hiesige Brüderschaft der Bergleute persönlich
erschienen. Sie gibt an, dass sie der heiligen Justitien zu Ehren und
der Brüderschaft zu Nutz und Beförderung einiger Artikel bedarf,
nach denen ihr zusammenwirken geregelt werden soll. Solches Begehren ist
nicht unbillig, sondern es ist viel mehr zu erwarten, daß es den
Frieden und die Einigkeit zwischen den Brüdern und Freunden entsprechend
der neuen Vermachung des gelehrten Mannes befördert, und dagegen
Haß, Zank, Feindschaft und die bisher herrschende Unordnung unterbindet.
Weil in Ehrenfriedersdorf solche Gebote nicht üblich waren, haben
wir das Bergamt Annaberg um eine Abschrift ihres Originales "bittlich
angehalten" und solche auch bekommen. Diese Artikel entsprechen in
allen Punkten unseren Vorstellungen, so daß wir sie für uns
und unsere Nachkommen als Rechtsmittel in den entsprechenden Fällen
überreichen und bestätigen wollen. Wenn es die Umstände
erfordern, sollen wir und unsere Nachkommen jederzeit auch die Möglichkeit
haben neue Artikel zusätzlich zu beschließen oder andere aufzuheben.
Dagegen soll die Brüderschaft, die sich jetzt zusammengefunden hat,
sich an unsere Gebote halten. Wenn aber die Mehrzahl von uns und unseren
Nachkommen einer Meinung ist, kann eine Änderung der Artikel erfolgen.
Zum Ersten
Wie in allen Handwerken, Zünften und Innungen üblich, soll
jedes Quartal eine Zusammenkunft stattfinden. Der obengenannte Bergmeister
wird selbst dabei sein, oder wenn er mit wichtigen Amtsgeschäften
beladen sein sollte, seinen Geschworenen oder einen Ältesten schicken.
Die Brüderschaft soll bei demjenigen versammeln, der die Lade verwahrt,
sobald die Häuerglocke zu elfen ausgeläutet. Ein Jeder soll
einen Groschen in die Lade legen. Wer zuspät kommt, soll einen Groschen
zur Strafe geben. Wenn einer aus trefflichen Gründen gar nicht erscheint,
soll er die Gründe dafür der Brüderschaft vortragen und
unbedingt drei Groschen Strafe in die Lade zahlen. Wer drei Quartale nicht
vor der Lade erscheint, soll von der Brüderschaft ganz ausgeschlossen
werden und nicht eher wieder aufgenommen werden, bis er sich mit dieser
wieder von Neuen geeinigt hat.
Zum Zweiten
Wenn einer nach dem Willen Gottes stirbt, so soll seine Witwe den
Quartalsgroschen einlegen, damit ihr auch fernerhin in Notfällen
die Unterstützung der Brüderschaft gewiß ist.
Zum Dritten
Keiner soll mit einer Mordwaffe zur Lade kommen, bei Androhung von
einem Groschen Strafe.
Zum Vierten
Wer nicht barhäuptig vor die Lade tritt oder seinen Hut und Mütze
nicht zieht, wird mit einem Groschen Strafe belegt.
Zum Fünften
Bei offener Lade darf keiner die Versammlung verlassen, unter Androhung
eines Groschen Strafe.
Zum Sechsten
Es soll sowohl in der Versammlung der Brüderschaft Fluchen, Schelten
und der Mißbrauch des Namens Gottes untersagt sein, also auch das
Lästern Gottes in der Grube, Kaue, auf dem Sauberg, in den Hütten
und Pochwerken verboten sein. In Hinblick darauf, daß mancher ehrliche
Mann für einen Gottlosen büßen muß, sollen nicht
nur der Vorsteher der Lade sondern auch ein jeder Steiger und Mühlmeister
für seine Untergebenen darauf achten. Sie sollen darauf achten in
Anbedracht ihrer Verantwortung und ihres geschworenen Eides, damit ein
solcher Lästerer die gebührende Strafe erfährt und dem
Laster mit Ernst gesteuert wird. Wer solche Lästerung hört und
verschweigt sie, wird es vor dem Angesicht Gottes verantworten müssen.
Sowohl unser Seelsorger als auch der Ehrbare Rat werden täglich mit
Fleiß vermahnen, als auch ein jeder Hausvater und Bergmann nicht
nur auf seine Person achten, sondern auch sein Weib und seine Kinder dazu
anhalten soll. Es sollen nicht nur am Sonntag sondern auch in der Woche
die Predigten besucht werden. Obwohl es bei vielen kein rechtes Gehör
findet, soll nochmals darauf hingewiesen werden, daß auf Gottes
Lästerung und Beschimpfung Gottes zeitliche und ewige Strafe folgt
und kein Glück und Segen dabei sind. Ein jedes fromme und christliche
Herz soll für sich selber sprechen, damit wir nicht für gottlos
gehalten werden.
Zum Siebenten
In der Versammlung der Brüderschaft soll keiner der Anderen in
beleidigender oder tätlicher Art angreifen, zu Zank und Hader Anlaß
geben und auch keine bösen Worte gebrauchen. Wer etwas für oder
gegen die Brüderschaft vorzubringen hat, soll es mit Bescheidenheit
tun. In gleicher Weise soll sich auch der Beklagte mit seiner Antwort
zurück halten. Wer sich hierbei ungebührlich aufführt,
soll drei Groschen Strafe erlegen. Wer sich jedoch des Aufruhres und der
Zusammenrottung schuldig macht, soll nach Erkenntnis der Brüderschaft
gebührlich bestraft werden und zwar zusätzlich zur Strafe des
Ehrbaren Rates.
Zum Achten
In der Versammlung der Brüderschaft bei der Lade soll keiner
den Anderen der Lüge bezichtigen, bei Androhung von einem Groschen
Strafe.
Zum Neuenten
Keiner soll, was in der Versammlung bei der Lade gesprochen wird, weiter
erzählen. Wer sich dennoch untersteht, soll einen Groschen in die
Lade zahlen.
Zum Zehnten
Nach dem Ratschlage Gottes sind wir es unseren Verstorbenen schuldig,
sie in christlicher und ehrlicher Weise zu bestatten. So soll in Zukunft
bei Bestattungen an Feiertagen, Sonnabenden und Sonntagen ein jeder Hauswirt
selbst mit zu Grabe gehen, und nicht seine Kinder und sein Gesinde schicken.
Wer solches mutwillig und ohne Not übergeht, soll unbedingt drei
Groschen Strafe geben.
Zum Elften
Fällt die Bestattung in die Woche, wenn der Hausvater an seiner Arbeit
ist, so soll trotzdem sein Weib oder Jemand von den Seinen mit zu Grabe
gehen. Der Zettel mit dem Namen des Hausvaters ist der Brüderschaft
wieder zurückzugeben. Die Strafandrohung beträgt drei Groschen.
Zum Zwölften
Wer zum Leichenträger bestellt wird, den soll es freistehen, einen
Anderen an seiner Stelle zu schicken. Dem Stellvertreter soll er aber
nicht mehr als zwei Groschen Lohn geben, und trotzdem noch selbst mit
zu Grabe gehen. Weiterhin sollen auch alle Zeit drei Witwen oder Jungfrauen
Trauer halten, und es ist ihnen nicht mehr als der jetzt gedachte Lohn
dafür zu zahlen, bei Strafe von drei Groschen.
Zum Beschluß
Jeder Bergmann oder Handwerker, der der Brüderschaft angehört
oder in dieselbe eintreten möchte, soll zuerst an die Pflichten denken,
die ihm aus den Artikeln erwachsen. Es ist nicht nur vom Bergamt sondern
auch von der Brüderschaft beschlossen worden, daß man vier
zuverlässige Mann aus der Brüderschaft dazu brauchen soll. (Vermutlich
sollen die vier Mann den Vorstand der Brüderschaft bilden. Da bei
Handwerkerinnungen zu damaliger Zeit zwei oder vier Vorstandsmitglieder
je nach Stärke der Innung allgemein üblich waren, ist die unklare
Andeutung damals unmißverständlich gewesen.) Die Lade soll
dem Lose nach einem jeden (von den Vieren oder gesamten Brüderschaft
ist unklar?) übergeben werden, der dann jedes Jahr einmal Rechenschaft
über die Einnahmen und Ausgaben der Brüderschaft geben soll.
Klagen oder Beschwerden sind bei den oben genannten vier Personen anzubringen.
Was sonst für die Brüderschaft zu regeln notwendig ist, das
sollen die vier Mann mit Wissen und Willen der Brüderschaft ins Werk
setzen. Das ist dann für jeden verbindlich.
Zur Beurkundung und um der weiteren Bekräftigung willen, haben wir,
der oben angeführte Bergmeister und seinen Geschworenen, in Beisein
der Knappschaftsältesten unseren eigenen Willen am Ende dieses zusätzlichen
Artikels gewissendlich aufgedrückt.
Geschehen und gegeben am Sonntag nach Johannes dem Täufer, welcher
war der 24. Juni im Jahre 1614 nach Christi Geburt.
In den Jahren 1618 - 1648 brach nun auch über unsere Heimat
und über die Brüderschaft wieder eine sehr schlimme Zeit herein.
Der 30-jährige Krieg riß in die Reihen der Einwohner große
Lücken. Die Lade der Brüderschaft mußte in Sicherheit
gebracht werden. Nach mündlichen Überlieferungen heißt
es, man habe die Lade an einem sicheren Ort in der Grube versteckt. Diese
Lade mit vielen historischen Zeitzeugen ist nie wieder gefunden worden,
wahrscheinlich sind die Brüder, die sie verwahrt haben, während
des Krieges umgekommen. Eine zweite Überlieferung behauptet, die
Lade sei beim Brand durch Blitzschlag beim damaligen Ladevorsteher Kutter
verbrannt. Beide Möglichkeiten können wahr sein.
Im Jahre 1628 wurde von einer zweiten "Langen Schicht"
in Ehrenfriedersdorf berichtet; dieser Bergmann soll weit über 100
Jahre im Sauberg gelegen haben. Leider sind hiervon keine Aufzeichnungen
zu finden; nur das Totenbuch der St. Niklaskirche weist darauf hin, daß
am 23. März 1628 ein Bergmann beerdigt wurde, bei dem kein
Name eingeschrieben werden konnte, da niemand diesen kannte. Durch den
30-jährigen Krieg wurde verständlicherweise diesem Ereignis
nicht so viel Beachtung geschenkt.
1629 wurde der Elfenturm unserer Kirche, der in den alten Schriften
der Berggrabebrüderschaft als Berg- Knappschafts- Elfenturm genannt
ist, errichtet. Die Kosten wurden vom Bergamt und von der Knappschaftskasse
übernommen. Anno 1777 ist der sogenannte Elfenturm der zu
dieser Zeit noch der Knappschaftskasse gehörte und von dieser unterhalten
wurde dem First der Sankt Niklas Kirche wieder aufgesetzt und ganz neu
wieder erbaut wurde. Die Kosten dieses Baues trug wegen damaligen Unvermögens
der Ehrenfriedersdorfer Knappschaftskasse einstweilen die Obergebirgische
Quatembergelderkasse: Die Kirche leistete einen Betrag von 10 Thalern,
die Fuhrlöhne wurden von den Ehrenfriedersdorfer Berggebäuden
übernommen, das Holz zum Bau wurde aus dem Freiwald durch den Oberforstmeister
zu Wolkenstein angewiesen. Früher hatte das Bergamt die Verfügung
über diesen Turm. Die Knappschaftskasse genoß dieser Wegen
eine kleine Einnahme. So erhielt sie zum Beispiel 1777 von einem
Begräbnis mit Predigt einen Groschen, später 12 Pfennig und
einem solchen mit Standrede zwei Groschen später 25 Pfennig. Für
das Läuten der Bergglocke erhielt der Türmer jährlich 12
Mark und 40 Pfennige zu Öl aus der erwähnten Knappschaftskasse.
Aber nun wieder zurück in die Jahre um 1649. Nach dem Krieg war der
Bergbau wieder am Boden. Die Erzförderung war sehr gering, die Gewerke
arm, die Anlagen baufällig und die Wälder abgewüstet. Erst
um 1690, mit allmählicher Gesundung der Wirtschaft Sachsens,
erhob sich auch der Bergbau im Ehrenfriedersdorfer Revier wieder. Ab 1705
bis ungefähr 1740 wird von einer Blütezeit des Bergbaus
berichtet.
1711 wurde eine neue Lade angeschafft, die heute noch im Besitz
der Berggrabebrüderschaft ist.
In Zusätzen der 1614 verliehenen Artikeln der Berggrabebrüderschaft
steht geschrieben, daß die zwei jüngsten Brüder bei herannahenden
Gewitter sofort zur Donnerwache beim Ladenvater zu erscheinen hatten.
Vielleicht weist diese Maßnahme auch auf eine böse Erfahrung,
in Anbedracht der ersten Lade unserer Brüderschaft hin. 1725
hören wir von einer großen Feuersbrunst die in unserer Heimat
hauste, es wird berichtet, daß hierbei auch wichtige Schriften unserer
Stadt und Brüderschaft verbrannten. Im Jahre 1756 wird von
einem erneuten Niedergang des Bergbaus im Ehrenfriedersdorfer Grubenrevier
berichtet.
Der 7-jährige Krieg (1756 - 1763) begann. Der Krieg zerstörte
die Wirtschaft Sachsens völlig und dies hatte wiederum eine negative
Auswirkung auf den Bergbau; die Erzproduktion sank auf 1/3 der 1757
erbrachten Menge von 636 Zentner auf 202 Zentner Zinn im Jahresdurchschnitt
von 1769.
Am Weihnachtstag des Jahres 1769 ereignet sich eines der schwersten
Bergwerksunglücke in Ehrenfriedersdorf. 6 treue Bergleute mußten
ihr Leben lassen
Johann Gottfried Kopper, ein lediger Berghauer, allhier
26 Jahre, 9 Wochen, 2 Tage
Johann Gotthilf Münzner, ein Berg- und Ehemann, allhier
34 Jahre, 8 Monate
Johann Benjamin Wendler, ein Berg- und Ehemann, allhier
34 Jahre, 8 Monate
Christoph Gottlieb Schmeg, ein Berg- und Ehemann, allhier
27 Jahre, 9 Monate
Johann Gottlieb Hilbert, ein Berg- und Ehemann, allhier
29 Jahre, 9 Monate
Johann Christoph Schönherr, ein Zimmermann und Ehemann, allhier
26 Jahre, 4 Monate
Diese hier vermerkten 6 Bergleute sind am heiligen Weihnachtsfest des
Jahres 1769 auf dem "Reichen Silbertroster Erbstollen"
am Greifenbach durch böse giftige Wetter elendlich, aber Gott gebe
selig, um ihr zeitliches Leben gekommen und gestorben.
Man hatte am Sonnabend des 4. Advents etwa eine halbe Klafter Holz wegen
des sehr festen Gesteins angebrannt. Dies wurde als Feuersetzen bezeichnet.
Das Gestein wurde mürbe und brüchig; dadurch ließ sich
die Arbeit leichter verrichten. Am heiligen Christabend, nachmittags um
15 Uhr, machte der Steiger Stelzel und der Berghauer Kopper einen Kontrollgang
um nach dem Feuer zu sehen. Das Feuer brannte nicht mehr und sie begannen
das Feuer wieder frisch anzuzünden.
Kurz darauf fällt der Berghauer Kopper um und der Steiger Stelzel
kriecht auf Händen und Füßen aus dem Stollen. Schnell
holt er Hilfe, aber die Wetter waren zu stark um in den Stollen einzufahren.
Am Christtage, früh, wagen es 12 andere Bergleute und wollen den
Hauer retten. Fünf davon bleiben auf dem Tragwerk (die Wasserseite
des Stollens) liegen und mußten sterben.
Erst am Freitag darauf, den 29. Dezember, konnten die Sechs verunglückten
Bergleute im Beisein des allhiesigen Kurfl. Sächs. Bergamtes herausgeschafft
werden.
Fünf Bergleute wollten ihren Kameraden retten und kamen dabei selbst
ums Leben.
Dies war Anlaß, am 24. Dezember nicht mehr in die Grube einzufahren,
sondern eine Gedenkfeier - Die Bergmettenschicht - abzuhalten. Die Bergleute
setzten dies mit einem Streik beim Bergamt durch.
Noch heute wird dieser Bergleute gedacht und die Tradition der Bergmettenschicht
weitergeführt und erhalten.
Die Bergmettenschicht hat sich im Wandel der Zeit von einer reinen Gedenkfeier
zu einer heiter, besinnlichen Weihnachtsveranstaltung entwickelt. Weihnachten
soll ja auch ein Fest der Freude und Liebe sein.
Jedoch sollte jeder, der am heiligen Christabend zur Bergmettenschicht
geht, mit Achtung an das Jahr 1769 zurückdenken, als nämlich
die Weihnachtsglocken zu Unglücksglocken wurden und viel Leid über
unsere Vorfahren kam.
1770 - 1771 hören wir von zwei verhängnisvollen Mißernten.
Im Hungerjahr 1772 wurden 586 Personen zu Grabe getragen. Auch
mancher Bergmann mußte sein Leben lassen.
Es wird berichtet, daß viele Bergleute nach verfahrner Schicht durch
mangelnde Ernährung auf dem Heimweg vor Hunger starben.
Bereits 1770/71 wurden der Berggrabebrüderschaft weitere Zusätze
zu den 1614 verliehenen Statuten hinzugefügt.
Darin hieß es zum Beispiel:
Bei Ableben eines Mitbruders Frau soll diese kostenlos zu Grabe getragen
werden, Kruzifix und Leichentuch sollen ebenfalls unentgeltlich zur Verfügung
gestellt werden. Bei eines Mitbruders Kinder sollen dagegen Kruzifix und
Leichentuch nicht, aber die Träger von der Brüderschaft gestellt
werden.
Aus diesen Zusätzen können wir wiederum ersehen, welchen großen
sozialen Gedanken die Berggrabebrüderschaft getragen hat. Die Verhältnisse
um 1772 waren für die Berggrabebrüderschaft unerträglich,
da die Bestattung der Verstorbenen alle Menschenwürde und die letzte
Ehre vermissen ließen. In einer Zeit der größten Not
und Armut wird beschlossen nicht nur die Berufskameraden sondern auch
deren Frauen und Kinder zu Grabe zu tragen, um auch diesen Familienangehörigen
eine würdevolle Bestattung zuzusichern.
In einem weiteren Schriftstück wird erwähnt, daß die Brüderschaft
7 große Zinnkannen im Besitz hat. Leider sind heute nur noch 2 Zinnkannen
im Besitz der Brüderschaft.
Die Inschriften lauten wie folgt:
"Adolph Langer derzeit Bergmeister 1664
der Bergbrüderschaft Kanne zu Ehrenfriedersdorf"
"Adolph Langer dieserzeit Bergmeister Anno Christi 1689
Der löblichen Bergknappschaft Ehrenfriedersdorf gehörig"
Der Bergbau kam bis Ende des Jahrhunderts nicht wieder auf die Beine.
Später wird sogar vom Verlust des jahrhundertelang bestandenen Bergamtes
berichtet.
1794 wurde das Bergamt Ehrenfriedersdorf mit dem Bergamt Geyer
zusammengeschlossen und etwas später dem Bergamt Marienberg unterstellt.
Am 23. Juni 1830, als im ganzen Lande die Gedächtnisfeierlichkeiten
anläßlich der 300. Wiederkehr des Tages der Verlesung der Augsburgischen
Konfession, des Lutherischen Grundbekenntnisses auf dem Reichstag zu Augsburg
1530 stattfanden, traten auch die Ehrenfriedersdorfer Bergleute
mit ihrer Knappschaft großartig hervor. Am 23. Juni selbst um 4
Uhr hielten die Bergleute auf dem "roten Pochwerk" das geschmückt
mit Blumen und Kränzen war, eine Betstunden ab. Ebenfalls wurde am
25. Juni 1830 eine Prozession vom Rathaus zur Kirche durchgeführt,
bei der die Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf ebenfalls lobend erwähnt
wird. Durch die veränderten Zeitverhältnisse wurden die Vereinssatzungen
1833 einer Umgestaltung unterzogen. Es hat zu diesem Zweck ein
ziemlich großer Schriftwechsel zwischen dem Oberbergamt Freiberg
und dem Bergamt Ehrenfriedersdorf/Geyer und Brüderschaft stattgefunden.
Zum damaligen Zeitpunkt verfügte die Berggrabebrüderschaft über
ein großes Vermögen. Sie war vor allem eine Art Bank zur Verleihung
von Geldern auf Grundstücke. Das Verleihung wurde peinlich genau
vorgenommen. In einer Niederschrift von 1819 ist ersichtlich, daß
mehreren auswärtigen Personen das Kapital gekündigt wurde, da
sie die festgesetzten Zinsen nicht pünktlich bezahlten. Aus dem Jahresabschluß
des Jahres 1847 ist ersichtlich, das die Berggrabebrüderschaft
über ein Vermögen von 1023 Talern, 7 Groschen und 5 Pfennige
verfügte. Die Mitgliedschaft bestand damals in 144 Brüdern und
18 Schwestern.
1866 wird von einem großen Stadtbrand in Ehrenfriedersdorf
berichtet. 18 Bergleuten wurde eine erhebliche und reiche Geldunterstützung
von der Knappschaftskasse zuteil, da ihre Häuser abgebrannt waren.
Am 03. Juli 1878 wurde durch die Berggrabebrüderschaft eine weitere
Aufbewahrungslade angeschafft. Diese Lade wurde bis 1915 im sogenannten
Bergchor unserer St. Niklaskirche aufbewahrt. Ihr Inhalt war hauptsächlich
auf Kassen und Rechnungsbücher beschränkt. Bis heute wird auch
diese Lade, die man auch mit einer damals üblichen Wäschetruhe
oder Wäschekoffer vergleichen kann, beim Ladenvater unserer Brüderschaft
aufbewahrt.
Im Jahre 1882 wurde das geltende Statut abermals geändert.
Insbesondere erfolgte die gerichtliche Eintragung als Genossenschaft.
Vom Königlichen Amtsgericht zu Ehrenfriedersdorf liegt aus dem Jahre
1883 folgende Mitteilung vor.
"Auf Folium 7 des Genossenschaftsregisters für den hiesigen
Amtsgerichtsbezirk ist heute die hier bestehende Berggrabebrüderschaft
als juristische Person eingetragen worden.
Ehrenfriedersdorf, d. 18. Januar 1883"
Die Berggrabebrüderschaft zählt also auch zu den ältesten
Genossenschaften unserer Heimat.
In den folgenden Jahren wird von der Organisierung eines Bergfestes anläßlich
eines Besuches seiner Majestät des Königs in Ehrenfriedersdorf
berichtet. Aus dem Amts- und Wochenblatt vom 22. Juli 1885 hören
wir: Wie bei den meisten Gruben des Sächsischen Erzbergbaus soll
dieses Jahr auch von der Mannschaft des hiesigen Zinnbergwerkes "Ehrenfriedersdorf
Vereinigt Feld Fundgrube" ein Bergfest abgehalten werden und zwar
wurde selbiges aus Anlaß der bevorstehenden Ankunft seiner Majestät
des Königs auf nächsten Sonnabend den 25. Juni festgesetzt.
Der Bergaufzug, wobei die Beamten und Arbeiter in ihren alten, sehr kleidsamen
Trachten erscheinen, bewegt sich früh 1/2 7 Uhr von der Grube durch
die obere Stadt nach der Kirche, wobei Pastor Dr. Seidel die Bergpredigt
abhalten wird. Es ist zu erwarten, daß dieses hier lange entbehrte
Bergfest zur Erhöhung der festlichen Stimmung des Tages, das seinige
beitragen wird.
Weiter heißt es im Amts- und Wochenblatt vom 27. Juli 1885:
Eine schöne Einleitung zur Feier zur festlichen Tages, war das Bergfest
mit Aufzug der Bergleute mit ihren Vorgesetzten, Vorstand Ebert, Bergverwalter
Voigt in ihrer kleidsamen Tracht zur Kirche, wo seit 1871 wieder
einmal ein erhebender Berggottesdienst gefeiert wurde. Die Kantorei brachte
eine gut einstudierte Kirchenmusik zum Vortrag. Der Ortspfarrer Dr. Seidel
predigte über Psalm 13, 1 bis 4 nach folgender Disposition: Der Herr
ist des Bergmanns Hirte im finsteren Thal in der Erde Schoß!
Im Jahre 1888 wird berichtet, daß der Berg - Knappschafts-
Elfenturm mit der Bergglocke geschenkweise von der ehrbaren Bergknappschaft
an die Kirche überging. Bis zu dieser Zeit wurde der Elfenturm und
die darin hängende Bergglocke ausschließlich vom Bergamt und
von der Bergknappschaft unterhalten.
1895 hören wir von der Vernichtung abgethaner Akten , auch das ehemalige
Bergamt Ehrenfriedersdorf war hier mit betroffen.
Aus dem Amts- und Wochenblatt Ehrenfriedersdorf 1895:
Dienstag den 14. Mai 1895
Vernichtung abgethaner Akten.
Von dem unterzeichneten Bergamte wird beabsichtigt, alte den vormaligen
Bergämtern Freiberg, Annaberg, Marienberg, Geyer und Ehrenfriedersdorf
ergangene Akten, betreffend Criminal und Civilprozesse, Untersuchungssachen
und Streitigkeiten wegen Wasserzuführungen, Expropriationen über
Bergschulden, Ausbeute und Verlag, Erbkuxe und Feldauskauf, Erb- und Vormundschaftssachen.
Es wird dies mit dem Bemerken bekanntgemacht, daß die Verzeichnisse
und Repertorien dieser Akten bis zum 15. Juli d. J. im Sitzungsaale des
Königlichen Bergamtes (Kirchgasse 11, I. Stock, Zimmer Nummer 5)
zur Einsicht öffentlich ausliegend und daß es denjenigen Gemeinden,
Körperschaften oder Privatpersonen, welche an der Erhaltung einzelner
dieser Aktenstücke ein Interesse zu haben verneinen freisteht, bis
zum gedachten Termine an hiesiger Kanzleistelle von den Verzeichnissen
Einsicht zu nehmen und diejenigen Akten, welche sie von der Vernichtung
ausgeschlossen zu sehen wünschen, dem Bergamte zu bezeichnen und
zur Aushändigung zu erbitten.
Freiberg, den 06. Mai 1895
Das Königliche Bergamt
Dr. Wahle Dr. Dannenberger
Solch eine Ausgliederung von Bergbauakten hat es mehrmals gegeben. Unklar
ist, ob die jeweilige Gemeinde eine nochmalige Durchsicht der Akten vorgenommen
hat. Hierdurch können auch wichtige geschichtliche Daten vernichtet
worden sein. In vielen Schriftstücken der Bergämter wurde auch
die bestehenden Knappschaften mit genannt, und so kann auch Ehrenfriedersdorf
von dieser Aktenvernichtung mit betroffen sein.
1906 wurde in Ehrenfriedersdorf ein erster Musikverein gegründet,
zuvor bestand aber auch schon eine Musikkapelle, die bis ungefähr
1884 zurückverfolgt werden kann. Die Auftritte des Musikvereins
und der späteren Stadtkapelle wurden im schwarzen Anzug mit Zylinder
durchgeführt. Auch zu verschiedenen Anlässen der Brüderschaft
wie z. B. zum Berg- und Hauptquartal spielte dieser Klangkörper.
Die Kosten für die Marschmusik zum Berg- und Hauptquartal 1909
werden durch den Geschäftsführer der Kapelle Richard Schlegel
auf 10,00 Mark beziffert und bescheinigt. Der erste Weltkrieg und seine
finanzielle Folgen nahmen auch der Brüderschaft das gesamte Vermögen.
Auch das Fundament der jahrhundertelang bestandenen Sterbekasse war zusammengebrochen.
1920/21 hören wir von folgenden Ausgaben:
4 Beerdigungen mit Sterbegeldauszahlung 198,75 M
Entschädigung:
Ladenschreiber 20,50 M
für die 3 Landenvorsteher 4,50 M
Schriftführer 2,00 M
Ladenältester 1,70 M
2 Rechnungsprüfer 2,00 M
Türmer Siebert 1,00 M
für Sargträger 55,00 M
Als Einnahmen waren Mitgliedsbeiträge
in Höhe von 156,80 M
und Zinsen von 3 Sparkassenbücher und
Wertpapierzinsen in Höhe von 142,72 M
zu verzeichnen.
Der Kassenbestand 1920/1921
(mit Berücksichtigung des Kassenstandes 1919/1920
betrug 4103,40 M.
Dies war für die damalige Zeit ein ganz schöner Betrag, leider
kam 1923 der völlige finanzielle Zusammenbruch durch die Inflation.
Es bedarf keiner Erklärung, in welchem Maße die Verarmung der
Bevölkerung und der damaligen Vereine um sich griff. Durchdrungen
von aufopferungsvollem Idealismus gaben die Bergbrüder dennoch nicht
auf!
Im Jahre 1926 wurde mit dem Bau des Oswald-Barthel-Gedenkturmes
begonnen. Der Revierausschuß bewilligte als finanziellen Grundstock
300,00 Reichsmark. Die Bergbrüder gingen eifrig ans Werk. 1928
war der Turm nach zweijähriger Bauzeit, in der die Brüder ihre
freie Sonnabende und Sonntage opferten, vollendet. Am 26. August 1928
konnte der acht Meter hohe Gedenkturm eingeweiht werden. Ein großer
Festumzug leitete die Feierlichkeiten ein - und alle Vereine beteiligten
sich an diesen. Durch dieses große Werk kam die Brüderschaft
wieder zu einer Blütezeit. Am Festzug zur Einweihung des Oswald-Barthel-Gedenkturmes
waren folgende Vereine beteiligt.
1. Bergkapelle (Stadtkapelle mit ausgeliehenen Trachten)
2. Berggrabebrüderschaft mit Bergfahne von 1813
3. Revierausschuß Marienberg
4. Bergbegräbnisbrüderschaft Wiesa mit Fahne
5. Knappschaftsverein Herold
6. Bergmannsverein Geyer mit Fahne
7. Bergbrüderschaft Thum
8. Berg- Knapp und Brüderschaft Jöhstadt mit Fahne
9. Spielmannszug des Turnvereins Frisch - Frei
10. Turnverein Frisch - Frei mit Fahne
11. Gesangsverein Harmonie mit Fahne
12. Gesangsverein Liederkranz mit Fahne
13. Turnverein e. V. mit Fahne
14. Freiwillige Feuerwehr
15. Millitärverein I mit Fahne
16. Millitärverein II mit Fahne
17. Turnerschaft mit Fahne
18. Fußballclub
19. Krippenverein
20. Verein Lactitia
21. Samaritterverein e. V.
22. Gewerbeverein
23. Damenchor (Kirchenchor)
24. Dramatischer Verein Saxonia
25. Turmlautbrüderschaft
Ehrenfriedersdorfer Bergmannslied
Melodie: Wer das Scheiden hat erfunden
1. Draußen auf des Saubergs Halden, wo die Sonne grüß
den Tag, ein Denkmal steht in Stein gehalten, Brüder schufens mit
Müh und Plag.
2. Oswald Barthel gilt die Stätte, der Unten fand sein frühes
Grab, und nach 60 bangen Jahren, noch ganz frisch geborgen ward.
3. Oben steht schwarz gelb die Fahne, als Symbol für Tag und
Nacht, schwarz an Schächte dunkel mahnend, gelb das ist des Lichtes
bracht.
4. Rings umgrenzt von Halden - Steinen, zeugen alter Bergleut' Fleiß,
die mit Feuer, Schlegel, Eisen schwer verdient ihr Brot im Schweiß.
5. Denkmal soll's für Knappen sein, die unten tief im Schacht,
fürs Volk ihr Leben setzten, und dort letzte Schicht gemacht.
6. Kittel, Leder, Hut und Blende, sind des Bergmanns Arbeitstracht.
Woll'n wir tragen bis ans Ende, und pflegen wahre Brüderschaft.
1929 erfolgte die Gründung des Verbandes der Obererzgebirgischen
Berg- Knapp- und Brüderschaften und 1930 fand bereits das
erste große Bergfest (des genannten Verbandes) in unserem Ort statt.
Der große Erfolg gab den Bergbrüdern neuen Ansporn, viele Neuaufnahmen
waren zu verzeichnen. Das Gelände am Gedenkturm wurde planiert und
1931 wurde die Bergkaue vollendet. Nun hatte die Berggrabebrüderschaft
ein eigenes Heim. Viele Bergfeste wurden in den kommenden Jahren organisiert
und abgehalten. Die Tradition der Bergfeste, kann man aber auch schon
vor 1928 verfolgen. So hören wir z. B. 1865 und 1871
von Bergfesten. 1885 wurde ein Bergfest zur Begrüßung
seiner Majestät des Königs Albert durchgeführt. Ebenfalls
wurde 1907 zur Begrüßung seiner Majestät des Königs
Friedrich August ein solches in unserem Ort abgehalten. Weitere große
Feierlichkeiten folgen so z. B. 1909 die Feier zur Enthüllung
des Denkmals Friedrich des Streitbaren.
Aber nun zurück in das Jahr 1931. In diesem Jahr schritt man
zur Gründung einer eigenen Bergkapelle und verwirklichte dieses in
kurzer Zeit. Die damalige Stadtkapelle trat aber auch schon zuvor, als
Bergkapelle auf, z. B. 1928 bei dem schon erwähnten Festzug.
Bei mehreren Anlässen vor 1931 wurden Bergmannstrachten ausgeborgt.
Die Kapellenleitung der 1931 gegründeten Berg- und Stadtkapelle
Ehrenfriedersdorf übernahm der Bergbruder Richard Rödl und Stellvertreter
wurde der Bergbruder Richard Oehme. Richard Oehme komponierte bereits
1927 den bekannten Ehrenfriedersdorfer Bergmannsmarsch, als Geschenk
für die Ehrenfriedersdorfer Berggrabebrüderschaft. Zu den Turmmetten
am 23.12.1927 und den Bergmetten am darauffolgenden Tag wurde dieser
herrliche Marsch erstmals intoniert. In hervorragender Weise war es dem
damaligen Musiklehrer gelungen, das wohl jeden Ehrenfriedersdorfer so
vertraute Feldgeschrei, als Einleitung in sein Werk einzuarbeiten. Noch
heute erklingt, meist zu Abschluß der Bergparaden, im Verein mit
allen beteiligten Bergkapellen, dieser Ehrenfriedersdorfer Bergmarsch.
Es ist immer wieder ein bewegender Moment, mahnt uns doch dieser Marsch,
mit Achtung und Stolz an unsere Vorfahren zu denken, als sie in großer
Aufopferung und Verbundenheit unserer Heimat dienten in dem sie die bergmännischen
Traditionen ehrten und pflegten. Aber noch immer war der erneute Aufbau
nach dem ersten Weltkrieg nicht abgeschlossen. Es ging um die Beschaffung
einer eigenen Bergfahne! Bis zu dieser Zeit wurde die Bergamtsfahne von
Marienberg, aus dem Jahre 1813 getragen und mitgeführt.
Durch freiwillige Spenden der Bergbrüder, war es bereits 1933
möglich, die Fahnenweihe vorzunehmen.
Ein großes Bergfest wurde abgehalten und unsere Bergfahne, die den
Fahnenspruch
"Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns
allen ein fröhliches Herz"
beinhaltet, wurde feierlich geweiht.
Nicht weit von Oswald Barthels Unglücksstelle ereignete sich am
15. August 1938 ein schweres Bergwerksunglück:
Auf der Gezeugstrecke der 150 -. Meter - Sohle erfolgte bei Sprengarbeiten
ein Wassereinbruch, wobei 25 Bergleute in der Grube eingeschlossen wurden.
Von den Eingeschlossenen konnten sich 10 Bergleute selbst in Sicherheit
bringen. Es wurden umfangreiche Rettungsarbeiten eingeleitet wodurch es
bis 2 Uhr nachmittags gelang 4 Bergleute lebend zu bergen. (Das Unglück
ereignete sich gegen 10 Uhr vormittags) Die Rettungsarbeiten waren äußerst
schwierig, da das Auspumpen des Wassers viel Zeit in Anspruch nahm. Bis
gegen 8 Uhr morgens konnten weitere 7 Bergleute lebend gerettet werden,
so daß nur noch 4 Bergleute vermißt wurden. Die Rettungsmannschaften
lagen flach auf Flößen, da das Wasser zum Teil bis an die Decke
des Stollens stand. Einer nach dem anderen der eingeschlossenen Bergmänner,
die durch andauerndes Klopfen Lebenszeichen von sich gegeben hatten, wurden
aus dem gefährlichen Stollen gebracht. Die Rettungsarbeit untertage,
die sich über Stunden für die Rettungsmannschaften ausdehnte,
war auch wegen der Kälte sehr schwierig. Das Wasser hatte nur eine
Temperatur von wenig über Null Grad. Mitglieder der Grubenrettung
brachen vor Erschöpfung zusammen. Stellvertretend soll hier der Bergmann
Max Roscher genannt werden, der allein vier Berufskameraden schwimmend
gerettet hatte. Vor Erschöpfung mußte er dann selbst aus der
Grube getragen werden. Die noch vier eingeschlossenen Bergmänner
befanden sich auf einer 75 Meter tiefer liegenden Sohle. Man versuchte
weiter, das Wasser auszupumpen, um zu verhindern, daß den eingeschlossenen
Kameraden die Luftzuführung abgeschnitten wurde. Während der
ganzen Nacht standen die Angehörigen der Verunglückten vor dem
Grubenhaus und warteten ihrer Angehörigen. Zuerst die quälende
Ungewißheit über den Verbleib der übrigen vier und dann
die bittere Wahrheit des bedauerlichen Schicksals der in der Tiefe des
Sauberges auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Bergknappen:
Fritz Seydel
Friedrich Landmann
Erich Schneider
Paul Hennig
Bei der Entfernung der in den Schacht eingefluteten Wassermassen umfangreiche
zeitraubende Schwierigkeiten zu überwinden waren, mußte sich
die Bergung der verunglückten Opfer etwas verzögern. Nach anstrengender
Arbeit konnten am Sonnabend dem 20. August, der Grubenschlosser Fritz
Seydel, in der Nacht zum Sonntag dem 21. August, der Bergzimmerling Friedrich
Landmann und am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag dem 22. August, noch
die letzten zwei, die Lehrhauer Erich Schneider und Paul Hennig, aus der
Tiefe des Sauberges geborgen werden. Beim Bergen des ersten Toten hißte
die Vereinigte Feldfundgrube ihre Flagge auf Halbmast. Im Laufe des Sonntages
folgte die städtischen Behörden und die Einwohnerschaft diesem
Beispiel, um ihre tiefe Trauer und inniger Anteilnahme an dem großen
Verlust und Schmerz der Angehörigen auch äußerlich Ausdruck
zu verleihen.
Zur selben Stunde, also genau eine Woche vorher, als zum freudigen Anlaß
des Bergfestes der Berggrabebrüderschaft die Fahne auf dem Oswald-Barthel-Turm
hochgegangen war, wurde sie am darauffolgenden Sonntag als Zeichen der
Trauer von Kameradenhand auf Halbmast gesetzt und kündete hoch oben
von den Halden des Sauberges in das Tal hinein von der Wehmut, die die
Wahrer und Hüter bergmännischen Brauchtums und altehrwürdiger
Bergmannstradition in der Berggrabebrüderschaft über den Verlust
ihrer jungen Kameraden hatten. Das furchtbare Bergwerksunglück, das
Ehrenfriedersdorf am 15. August 1938 heimgesucht hatte, erweckte
in weitesten Kreisen rege Anteilnahme. Das war schon am Abend vor der
Beerdigung zu spüren als die Opfer von dem Bergwerk nach der Stadthalle
überführt wurden. Vom Kirchturm hörte man die kleine Bergglocke
läuten. Dumpfer Trommelwirbel begleitete den Fackelzug, der den vier
tote Bergleuten das Geleit gab. Auf vier Wagen, jeder mit vier Pferde
gezogen, standen die Särge. Die Beerdigung fand am Dienstag den 23.
August statt. Die Kirchgemeindevertretung hatte eine besonders schöne
Stelle des Gottesackers für ein gemeinsames Grab bestimmt und kostenlos
zur Verfügung gestellt. Die Bergleute sind gemeinsam vom Tode ereilt
worden, da sollten sie auch gemeinsam begraben sein. Die große Glocke
läutete in vier Intervallen vor. Nach einer politischen Feier in
der Stadthalle wurden die Toden Bergleute unter Glockengeläut zu
ihrer letzten Schicht geleitet. Die Berg- und Stadtkapelle spielte und
Chor und Kantorei sangen abwechselnd, während die Särge in das
Grab hineingelassen wurde. Die Predigt an der Grabstätte der zur
letzten Schicht eingefahrenen Bergknappen wurde durch Pfarrer Seydel gehalten.
Durch die Rüstungsproduktion Deutschlands wurde der Bergbau ab 1936
mit einer Belegschaft von 210 Mann wieder aufgenommen und bis Kriegsende
weitergeführt. Zwischen 1938 und 1941 wurde der Sauberger
Haupt- und Richtschacht auf 250 m weiter geteuft und eine neue Erzaufbereitung
gebaut. Der Zweite Weltkrieg und schwerwiegenden Folgen verursachten wiederum
einen schmerzenden Niedergang, auch für die Berggrabebrüderschaft.
Während unsere Bergglocke im Ersten Weltkrieg verschont blieb, sollte
sie ihr Ende im entsetzlichen Zweiten Weltkrieg finden. Zum Bergquartal
1942 erklang die Ehrenfriedersdorfer Bergglocke das letzte Mal. Sie
wurde vom Turm geholt und dem Sammellager Hamburg zugeführt. Bis
1942 wurden an der Bergglocke auch die Stunden angeschlagen. Unsere
Kirche besitzt ja bekanntlich keine Turmuhr. Die vollen Stunden wurden
deshalb bei Tag und bei Nacht von der Türmerwohnung durch Handbetrieb
angeschlagen und zwar wurde jede Stunde zweimal hintereinander angeschlagen,
zuerst an der Bergglocke, anschließend an der großen Glocke.
Nach dem Verlust der Bergglocke wurde durch den Kirchenvorstand der St.
Niklaskirche eine Glocke aus Stahl erworben. Diese wurde im Elfenturm
montiert. Jetzt konnte der gewohnte Glockenschlag, wenn auch nicht im
gewohnten Klang wieder erschallen.
Zu Beginn der Besatzungszeit waren alle Vereine verboten. Nur die Berggrabebrüderschaft
durfte, nach einer positiv verlaufenen Verhandlung mit dem sowjetischen
Kommandanten Taschlikow, auf dem Sauberggelände weiter bestehen bleiben.
Wahrscheinlich haben die geleisteten Beerdigungsdienste diese Ausnahmen
mit bewirkt. 1937 wurden die Statuten der Berggrabebrüderschaft
zum Punkt Beerdigungsdienste abgeändert.
"Auf Wunsch und Bestellung verstorbener Bergbrüder und sonstiger
Gemeindemitglieder (gemeint ist die Einwohnerschaft) werden die verstorbenen
Brüder und Einwohner in bergmännischer Art und Weise und im
bergmännischen Ornat zu ihrer letzten Ruhestätte begleitet."
Da die Bestattung in damaliger Zeit von zu Hause aus erfolgte, wurden
die Verstorbenen mit 16 Bergbrüdern getragen bzw. begleitet. Acht
Bergbrüder trugen den Sarg und weitere acht Bergbrüder begleiteten
mit ihren Zinnbarten den Trauerzug, auf halber Wegstrecke wurde gewechselt.
Bei Vereinsmitgliedern wurde vor dem Sarg die Bergfahne mit Fahnenbegleitung
und Obersteiger mitgeführt.
Unter großer Aufopferung des damaligen Vorsitzenden Heinz Müller,
des Schriftführers und Chronisten Richard Höfer, sowie des Hauptkassierers
Gerhard Massalsky, konnte bereits 1946 der erste Bergaufzug in
der Bergstadt Annaberg wieder stattfinden. Die Berggrabebrüderschaft
Ehrenfriedersdorf führte diesen Bergaufzug mit den 12 übriggebliebenen
Trachtenträgern und 16 Musikkanten der Berg- und Stadtkapelle Ehrenfriedersdorf
an. Am Bergaufzug waren die bergmännischen Vereinigungen von Frohnau,
Wiesa, Jöhstadt und Thum beteiligt, welche sich ebenfalls nach 1945
weiter vereinsmäßig betätigen durften.
Nach dem Ende des Krieges wurde die Ehrenfriedersdorfer Bergglocke glücklicherweise
unversehrt, wieder aufgefunden. Herr Pfarrer Lauckner bemühte sich
sehr, unsere alte Bergglocke schnellstmöglich wieder in unsere Heimatstadt
zurückzuholen. Vom Glockenfriedhof in Hamburg wurde sie versehentlich
erst nach Pohlen bei Ronneburg in Thüringen gebracht. Erst nach langem
Suchen in ganz Deutschland durch Pfarrer Lauckner konnte sie in Thüringen
ausfindig gemacht werden.
Auf schnellstem Wege wurde sie dann in unsere alte Bergstadt zurückgebracht.
Heute erschallt sie jeden Wochenarbeitstag morgens um 7.00 Uhr, mittags
12.00 Uhr und abends 18.00 Uhr. Mahnend erklingt sie vom Berg- Knappschaft-
Elfenturm über unsere alte Bergstadt, als Erinnerung an das Schichtläuten
und an eine jahrhundertealte Bergbauzeit.
Auf Befehl der sowjetischen Militäradministeration SMA nahm die
Zinnerzgrube 1947 den Betrieb wieder auf. Im Jahre 1957
wurde erneut ein Dachverband Obererzgebirgische Brüderschaften gegründet.
Dies war der Anlaß für die Wiederbelebung und auch Neugründungen
von vielen bergmännischen Zusammenschlüssen. Im gleichen Jahr
wurde der Kulturbund gegründet. In diesem neuen Dachverband wurden
auch die bestehenden bergmännischen Zusammenschlüsse "integriert".
Tolerierte anfangs die Leitung des Kulturbundes die bisher ausgeübte
bergmännische Brauchtumspflege, so wurde nach und nach von dieser
Leitung propagiert und angewiesen, welche Traditionshandlungen ausgeübt
werden sollten. Besonders unerwünscht waren religiöse, christliche
Brauchtumsausübungen.
So durfte der Ehrenfriedersdorfer Bergchoral nicht mehr, wie es unsere
Vorfahren hielten zum Eingang des jährlichen Bergquartals gesungen
werden. Es wurde darauf gedrängt, von diesen als überaltert
bezeichneten Traditionen Abstand zu nehmen.
Am 21. April 1963 feierte unsere Brüderschaft ihr 625jähriges
Bestehen. Zu diesem Anlaß wurde die dritte Lade unserer Brüderschaft
geweiht.
Der Bezirksvorsitzende Bergbruder Paul Richter hielt die Weihe.
Liebe Bergbrüder !
Es gibt Tage an denen man nicht vorüber gehen kann
um mit einem Geschenk den Tag auf seinen Höhepunkt zu
steigern. So einen Festtag begehen wir heute, das
625 jährige Jubiläum der Berggrabebrüderschaft.
Ich freue mich den ehrenvollen Auftrag vollziehen zu können
als Bezirksvorsitzender der Obererzgebirgischen Brüder-
schaften und gleichzeitig als Bergbruder der Ehrenfriedersdorfer
Berggrabebrüderschaft Eure neue Truhe zu enthüllen und zu
weihen. Bevor ich die Hülle entferne, möchte ich all den
Bergbrüdern, die durch Spenden und Gestaltung der Truhe
mit beigetragen haben meinen herzlichsten Dank aussprechen.
Ich enthülle die Truhe mit den Worten des Weihespruches!
Weihespruch!
Du Schatzkästlein Du, bewahre der Bergleut Freud und Leid
und nimm all das Schaffen der Alten mit hinüber in die neue Zeit.
Laß fröhliche Menschen Dich tragen und werde Jahrhunderte alt.
Gib Zeugnis stets den Jungen, von Brauchtum und Gestalt
laß füllen Dich von neuem bergmännischen Geschehen,
nimm auf all die Namen, die treu zur Fahne stehn.
Bleib immer unser Kleinod, der stolz der Brüderschaft
laß schöpfen aus den Zeilen uns Glück und neue Kraft.
Glück auf! Der Gruß der Bergleut in Dir gemeißelt steht
soll stets erfreun die Brüder so lang das Rad sich dreht.
G l ü c k a u f!
Ich übergebe den Schlüssel dem Junghäuer Albrecht Müller
und
bitte ihn die Truhe zu öffnen.
Liebe Bergbrüder, Ihr seit unsere Zukunft auf Euch kommt es an
wie lange Ihr treu zur Brüderschaft steht. Nehmt hin das Kleinod
und bewahrt und behütet es, als wäre es Euer Eigentum. Euch
vertrauen wir die Zukunft unserer Brüderschaft an mit den Worten:
Es grüne die Tanne, es wachse das Erz
Gott gebe uns allen ein fröhliches Herz!
So beende ich die Weihe unserer 3. Truhe.
G l ü c k a u f!
Ehrenfriedersdorf/Erzgeb., am 21. April 1963
1965 beschlossen einige Mitglieder den über mehrere Jahre
ausgesetzten Berggottesdienst wieder einzuführen und nach altem Brauch
wieder abzuhalten. Zum Kirchgang singt die Gemeinde mit den anwesenden
Bergbrüdern gemeinsam einen Choral, der als "Bergchoral der
Berggrabebrüderschaft" nur in Ehrenfriedersdorf gesungen wird.
Die Melodie wurde um 1539 in Straßburg geschaffen:
"O Gott, du frommer Gott"
Der Text stammt aus dem "Alten Testament" aus Hiob 28.
Bergchoral der Berggrabebrüderschaft
Herr, du erforschest mich, dir bin ich nicht verborgen.
Du kennst mein ganzes Tun, und alle meine Sorgen.
Was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt,
eh´ der Gedanke noch in meiner Seel´ entstand.
Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest.
Du schaffest was ich tu´, du ordnest, du beschließest,
was mir begegnen soll. Erstaunt seh´ ich auf dich.
Wie groß ist dein Verstand! Wie wunderbar für mich!
Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen?
Wo könnt ich jemals wohl mich deinem Aug´ entziehen?
Führ´ ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da;
Führ´ ich zur Tief hinab, auch hier bist du mir nah´.
Lob, Ehr´ und Preis sei Gott; dem Vater und dem Sohne,
und auch dem Heil´gen Geist, im hohen Himmelsthrone;
dem Dreieinigen Gott, als er ursprünglich war,
Und ist und bleiben wird jetzund und immerdar.
Vom 30.06. bis 07.07.1968 feierten wir in unserer Stadt "700
Jahre Erzbergbau in Ehrenfriedersdorf und 400 Jahre die Lange Schicht"
1981 wurde durch einige Bergbrüder der Entschluß gefaßt,
die Bergbrüderschaft Schneeberg zum Bergstreittag mit Berggottesdienst
in der St. Wolfgangskirche zu unterstützen. Trotz mehrfacher Versuche
zur Unterbindung solcher Tätigkeiten seitens des Kulturbundes und
anderer Organe des SED-Staates nahm die Berggrabebrüderschaft mit
Bergfahne seit 1981 daran teil.
Am 7.10.1981 wurde ein neues Oswald-Barthel-Denkmal am ehemaligen
Kulturzentrum (heute Haus des Gastes) an der Steinbüschelstraße
eingeweiht. Dieses Denkmal wurde notwendig, da das alte Originaldenkmal
durch Einsturzgefahr und durch die Bestimmungen zum Betreten von Betriebsgeländen
nicht mehr für die Öffentlichkeit bzw. für die Bevölkerung
seit mehreren Jahren zugänglich war. Gleichzeitig wurde zum Anlaß
der Einweihung auch eine zweite Bergfahne unserer Berggrabebrüderschaft
geweiht.
Am 19.5.1985 versank das Oswald-Barthel-Denkmal auf dem Sauberggelände
durch einen Tagesbruch für immer. Vom 8 m hohen Gedenkturm war nichts
mehr zu sehen!
Zum Bergquartal 1988 feierte die Berggrabebrüderschaft ihr
650 jähriges Bestehen. Eine Festveranstaltung am 9.4. und das Bergquartal
am 10.4. mit Bergaufzug wurden durchgeführt.
Im Jahre 1989 feierten wir in Ehrenfriedersdorf - 650 Jahre Ersterwähnung.
Grundlage dafür das aus dem Altenburger Ratsarchiv stammende Dokument.
Diese Feierlichkeiten bezogen sich auf die Ersterwähnung unseres
Ortes nicht auf die Besiedlung oder auf eine Gründung.
Damals wie heute ist das vielen Einwohnern nicht richtig bewußt,
sie bringen die Ersterwähnung mit dem Beginn des Bergbaues und dem
ersten Kirchenbau in Verbindung. Seit 1989 pflegt die Berggrabebrüderschaft
Partnerschaftsbeziehungen mit dem Bergmannsverein "Glück auf"
Neuhof bei Fulda in Hessen. Am 3. Oktober 1990 wurde im ältesten
Zinnbergbaugebiet Deutschlands die Förderung wegen der außerordentlichen
Unrentabilität der Grube eingestellt. Feierlich und unter großer
Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung wurde der letzte Hunt gefördert.
Damit ging ein weiteres Kapitel der Ehrenfriedersdorfer Bergbaugeschichte
zu Ende. Seit dieser Zeit wird die Grube als Besucherbergwerk weitergeführt,
ein touristischer Anziehungspunkt, auf den wohl keiner mehr verzichten
möchte.
Am 20. Oktober 1990 wurde in Ehrenfriedersdorf der Sächsische
Landesverband im Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten und Knappenvereine
gegründet. Die Berggrabebrüderschaft ist am Tage der Gründung
dem Sächsischen Landesverband beigetreten. Sie wurde wieder ein selbständiger
und gerichtlich eingetragener Verein. Die neue Satzung trat am 7. April
1991 zur Bergquartalsfeier auf Beschluß der Mitgliederversammlung
in Kraft. Zum Bergquartal 1993 wurde durch die Berggrabebrüderschaft
eine dritte Bergfahne angeschafft. Diese wurde Original nach der Bergfahne
von 1933 hergestellt.
In Vorbereitung des 662. Bergquartals am 30. April 2000 wurde durch
den Vorstand der Berggrabebrüderschaft beschlossen das 1928 eingeweihte
Oswald-Barthel-Denkmal in Original wieder zu errichten.
Zusammenfassung
Die Berggrabebrüderschaft zählt zu den ältesten bergmännischen
Vereinigungen unserer Heimat, die ununterbrochen besteht.
Aus der Zeit um 1648 wurde uns das Gründungsjahr 1338
mündlich von Generation zu Generation überliefert. Durch die
vielen Brände in Ehrenfriedersdorf sind sehr viele historische Unterlagen
vernichtet worden. Weiterhin ist die erste Berglade der Berggrabebrüderschaft
mit den wichtigsten und ältesten Aufzeichnungen im Dreißigjährigen
Krieg verschwunden.
Die Statuten von 1614 beweisen die Existenz dieser Berglade, da
sie in diesen mehrmals genannte wird. Die heutige älteste Lade kann
damit nicht gemeint sein, da diese erst 1711 angeschafft wurde.
Was an Unterlagen im Bergamt in Ehrenfriedersdorf vorhanden war, wurde
im 19. Jahrhundert durch die allmähliche Verringerung der Zahl der
Bergämter zuerst nach Geyer, später nach Marienberg, nach Annaberg,
zuletzt nach Freiberg gebracht. Jedesmal hat man aus der erdrückenden
Fülle des anfallenden Schriftmaterials auswählen müssen
und die Entscheidung über das Aufzubewahrende nach bergrechtlichen
Gesichtspunkten und nicht nach den Bedürfnissen des Historikers getroffen.
So dürften viele Originaldokumente vernichtet worden sein. Bereits
im Jahre 1400 wird die "gancze geselllschaft der heuer doselbins
czu Friberg" in Zusammenhang einer Entschädigung für ein
Altarlehen genannt. Da die Gesellschaft der Häuer zu Freiberg bereits
vor 1400 entstanden sein dürfte, könnte also auch in Ehrenfriedersdorf
in dieser Zeit eine Grubenzunft existiert haben. 1489 verlieh der Bergmeister
Waldesel, Nickel den ganzen Sauberg an Hans Bach in Geyer und Ulrich Schütze,
Bürgermeister von Chemnitz, so aus den Landeshauptarchiv zu erfahren.
Um 1400 galt Ehrenfriedersdorf als die einzige freie Berg- und Handelsstadt
zwischen Freiberg und Böhmen. Weiterhin ist bekannt, dass die Grubenzünfte
zur gemeinschaftlichen Vertretung gegründet wurden. Diese Zusammenschlüsse
machten sich notwendig als die Bergleute nicht mehr als Eigenlöhner,
sondern für die Berggewerke und Gesellschaften arbeiteten. Mit Bescheidenheit
wurden Forderungen die mit heutiger Zeit in keinem Fall vergleichbar sind
durchgesetzt. Am 11. November 1464 hören wir von der Landesherrlichen
Verschreibung über den Tiefen Stollen bei Thum mit den Rindsgraben
für Steffan Friberger, Bürger zu Chemnitz und seine Mitgewerken.
Um 1487 ersuchen die zu Geyer bauenden Gewerke die Landesherren
um eine weitere Befreiung, wie sie ihnen die Landesherren früher
gewährt haben, das sie mit den Sinken der Schächte erfolglos
große Unkosten gemacht haben. Da Geyer von Ehrenfriedersdorf aus
gegründet wurde, müssen also auch Grubengesellschaften dieser
Art bereits weit vor 1487 in Ehrenfriedersdorf existiert haben.
Die älteste schriftliche Benennung unserer heutigen Berggrabebrüderschaft
stammt aus dem Jahre 1588. Auf der schon erwähnten Leichenpredigt
des Oswald Barthel die 20 Jahre nach dem Ereignis von 1568 in Druck
gegeben wurde, steht das der Bergmann "von der Erbarn Knappschaft
das selbst / Christlichen weis zur Erden bestetigt wurden" ist.
Durch diese Mitteilung die im Archiv unserer Stadtpfarrkirche aufbewahrt
wird, müssen die Gründungsangaben wie sie mehrmals auf alten
Fotos und in Zeitungsartikel stehen (z. B. 1578 oder 1614)
eindeutig als falsche Angaben gewertet werden. Auch der Tatumstand, dass
sich die Brüderschaft in späterer Zeit um 1800 "Lange Schicht"
nannte weist nicht auf eine Gründung erst um die Geschehnisse in
der Zeit Oswald Barthel´s hin. Nehmen wir uns den Satz vom Titelblatt
der Predigt noch einmal vor "von der Ehrbaren Knappschaft daselbst
in christlicher Weise zur Erden bestattet" klingt das als wäre
die Knappschaft zu diesem Ereignis gegründet? Wohl nicht, im Gegenteil
das steht und klingt so selbstverständlich als würde die Knappschaft
schon damals über Generationen bestehen.
Weiterhin wird angenommen, dass aus den Gesellschaften, Bruderschaften
oder Knappschaften auch die Würdenträger und Sachverständige
des Bergbaues hervor gingen so zum Beispiel die Bergrichter und die Bergmeister.
Bereits 1377 hören wir in Ehrenfriedersdorf vom damaligen
Bergmeister. All diese Zahlen und geschichtlichen Ereignisse bestätigen
das es durchaus möglich ist, dass die Berggrabebrüderschaft
bereits 1338 gegründet wurde.
Gemeinsam wurde die Andacht vor der Einfahrt in die Grube, das Berggebet
gesprochen und Berggottesdienste abgehalten. Hier können wir nochmals
auf das Berggestühl aus dem 14. Jahrhundert in unserer Kirche verweisen.
"Mitten im Leben sind wir vom Tode umgeben". Dieser aus der
bergmännischen Umwelt stammende Spruch prägte das Brauchtum
der Berggrabebrüderschaft und so gab diese tiefe Erkenntnis Anlaß
einander im Leben und so auch im Tode bis an das Grab nicht zu verlassen.
Im Leben Für und Miteinander die damaligen Verhältnisse zu bewältigen,
im Tode dem Verstorbenen die letzte Bergmännische Ehre und die letzte
Schicht so geleit und würdevoll wie nur möglich zu gestalten
und in größter Not und Armut auch die Familienangehörigen
in diese Verpflichtung mit einzuschließen.
Über den Sinn und Zweck der Ehrenfriedersdorfer Berggrabebrüderschaft
sei der § 4 der Vereinsstatuten vom 26. September 1882 zitiert
"Die Gesellschaft hat den Zweck, beim Hinscheiden eines Mitgliedes
derselben nicht nur dessen Hinterbliebenen eine Beitrag zu den Beerdigungskosten
zu leisten, sondern auch für ein anständiges Begräbnis
durch unentgeltliche Gewährung des bergmännischen brüderlichen
Leichenornats, sowie der Träger aus ihrer Mitte und einer angemessenen
Begleitung zur letzen Ruhestätte zu sorgen.
Allen Bergschwestern und Bergbrüdern zu Ehren und allen Verstorben
zum Gedenken aufgeschrieben
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